Forschungsschwerpunkte:

  • Kommunikationsformen in der vormodernen Herrschaftsordnung
  • Strategien interkultureller Kommunikation zwischen Ost und West in der
    Vormoderne
  • Politische und religiöse Ausschlussverfahren im Mittelalter
  • Politische Netzwerkbildung im ausgehenden Mittelalter
  • Fehdeführung, Konfliktbeilegung und Schiedsgerichtsbarkeit im Spätmittelalter


Aktuelle Forschungsvorhaben:

  • Von der Exklusion zum "sozialen Tod": die kulturelle Praxis des Ausschlusses in vormodernen Gesellschaften
    Das Ideal jeglicher Gemeinwesen ist es, den Mitgliedern einen geschützten Rechts- und Friedensbereich zu garantieren und eventuelle Verstöße gegen die soziale Ordnung zu sanktionieren. Vormodernen Gesellschaften standen in diesem Zusammenhang keinerlei - modern formuliert - "Exekutionsorgane" bereit, um einen Täter zu verfolgen und die Beachtung einer Strafe zu erzwingen. In diesen Fällen erfolgte der Ausschluss aus der Gemeinschaft.
    Diese Exklusion bedeutete, dass dem so Bestraften die Rechte und Vorteile entzogen wurden, die den übrigen Mitgliedern des Verbundes das Überleben sicherten. Der Ausschluss ging in einigen Fällen sogar so weit, dass man die Bestraften als Tote bezeichnete.
    Sie starben jedoch nicht den physischen, sondern den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Tod - kurzum sie erlitten ein Schicksal, das als "sozialer Tod" bezeichnet werden kann.
    Der Kategorisierung des "sozialen Todes" liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Tod nicht nur ein biologisches Phänomen ist, sondern ebenfalls durch die kulturelle Praxis einer Gesellschaft bestimmt wird. So stirbt ein Mensch als physisches Individuum den biologischen Tod; gleichzeitig verstirbt er als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft. Biologischer und sozialer Tod können dabei deckungsgleich sein, aber auch auseinander treten. Dies bedeutet, dass einerseits biologisch Lebende wie bereits Verstorbene behandelt werden können, so dass jegliche Bindung zu ihnen abgebrochen wird.
    Vor diesem kulturanthropologischen Hintergrund werden vor allem die Formen der Ausgrenzung in der Vormodere untersucht, die als Ahndung von Verstößen gegen die Gesellschaftsordnung eingesetzt wurden. Von Interesse sind in diesem Zusammenhang die Interpretationsstrategien, mit denen Verstoß und Ahndung kulturell erklärt wurden.  Das Projekt wird hier unterschiedliche Aspekte aufgreifen und die Genese spezifischer Ausschlussformen in Abhängigkeit bestimmter politischer, sozialer und religiöser Ordnungen ebenso untersuchen wie die "Performanz" des Ausschlusses (z. B. verbale und nonverbale Ausdrucksformen der Exklusion).

  • Formen und Grenzen interkultureller Kommunikation: das Reich und der Osten Europas in
    der Vormoderne
    Chancen und Grenzen des interkulturellen Austauschs sind in der Gegenwart zu nahezu universell einsetzbaren Metaphern geworden, wenn es um die Diskussion gesellschaftlicher wie ökonomischer Entwicklungen geht. Das Thema ist in der nationalen wie internationalen Politik ebenso virulent wie in den Chefetagen global operierender Konzerne, die über die Grenzen der Kontinente hinweg verschiedene Unternehmenskulturen und Verbrauchermentalitäten zu berücksichtigen haben. Auch in heutigen vermeintlich ausschließlich an Sachfragen orientierten Transferprozessen spielt die Frage, welche Signale dem Gegenüber ausgesandt und wie sie rezipiert werden, eine wichtige Rolle.
    In den Austauschbeziehungen der Gegenwart ist man sich der Tragweite dieser Problematik durchaus bewusst, können doch wohlgemeinte Zeichen vom Partner missverstanden werden und somit den Erfolg einer Mission gefährden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich die moderne Kommunikationswissenschaft in den vergangenen Jahren dieses Themas verstärkt angenommen hat, um zum einen den notwendigen wissenschaftlichen Diskurs zu bieten und um zum anderen im Dickicht globalisierter Handlungsräume das praktische Rüstzeug zu liefern.
    Kontakte zu fremden Kulturkreisen hat es seit jeher gegeben, ohne dass sich die Akteure so wohlinformiert aufeinander einlassen konnten wie heute. Innerhalb Europas existierte in den vormodernen Jahrhunderten zwar ein mehr oder weniger differenziertes Wissen über die Nachbarn, ihre Sprache und Kultur. Es nahm jedoch in dem Maße ab, in dem man sich der Peripherie des Kontinents näherte oder gar seine Grenzen überschritt. Handelte es sich um Völker außerhalb des europäischen Mächtesystems, so war das existierende Wissen kaum geeignet, die Handlungen des Anderen adäquat zu erfassen. Im Forschungsschwerpunkt werden Formen und Grenzen interkultureller Kommunikation analysiert werden. Dabei sind dauerhafte wie temporäre Kontakte zwischen dem Deutschen Reich und Regionen an der östlichen Peripherie des abendländischen Europas in den Blick genommen, die sich nicht nur durch sprachliche Fremdheit, sondern auch durch unterschiedliche Religionen und politische Systeme auszeichneten. Gegenstand der Analyse sind die Kontakte zum mongolischen Großreich im 13. Jahrhundert sowie zum Großfürstentum Moskau im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Zur Disposition steht die grundsätzliche Frage, wie unterschiedliche Kulturkreise miteinander kommunizierten und  welche Probleme und Lösungsansätze zu rekonstruieren sind.

Letzte Aenderung: 08.04.2021 · Seite drucken

Kontakt

Fon +49(0)4441 - 15-476

E-Mail: Opens window for sending emailclaudia.garnier[at]uni-vechta[dot]de

 

Biographie

Publikationen

Forschungen

Aktuelles

Aktuelle Lehre

 

Wiss. Mitarbeiter
Marie Dierkes
Dr. David Weiss, M.A.

 

Ehemalige Mitarbeiter und Lehrbeauftragte
David Crispin, M.A.
Katharina Knäpper
Daniel Lizius
Lena Schönborn
Anna Rethschulte

 

Tutoren und Stud. Hilfskräfte
Pia-Michele Kosinski
Gina-Marie Kujawa