Prof.'in Maria K. Pavlova

Psychologische Gerontologie


Forschungsprojekte und -kooperationen 

Psychosoziale Vorteile bürgerschaftlicher und politischer Beteiligung über die Lebensspanne und in einem europäischen Vergleich: Wer profitiert wie, von welchen Aktivitäten, und warum?

(DFG-gefördert, läuft seit 10.2016)

Projektmitarbeiter: Opens internal link in current windowMatthias Lühr

Methodische Beratung: Opens external link in new windowMaike Luhmann

Bürgerschaftliche und politische Beteiligung bezieht sich auf unbezahlte freiwillige Tätigkeiten, die gemeinsam, üblicherweise in einer Organisation, unternommen werden, und auf das Gemeinwohl abzielen. Bürgerschaftliche Beteiligung kann von der Politischen unterschieden werden. Die erstere umfasst unmittelbare Hilfeleistungen wie z. B. Freiwilligenarbeit als Betreuer für ein Kindersportteam oder als Koch in einer Suppenküche. Die letztere umfasst Versuche, politische Veränderungen zu erreichen, wie z. B. Petitionen oder Freiwilligenarbeit für eine Partei.

Obwohl die bürgerschaftlich oder politisch Engagierten keine nennenswerte Vergütung erhalten, ziehen sie auch Nutzen aus ihrem Engagement. Solche Vorteile sind bekannt und umfassen unter anderem ein höheres subjektives Wohlbefinden, Vermeidung vom Risikoverhalten und karrierebezogene Vorteile. Frühere Forschung hat sich allerdings darauf fokussiert, lediglich Vorteile der Bürgerbeteiligung nachzuweisen, statt ihre Mechanismen systematisch zu untersuchen.

Ziel dieses Projektes ist zu erforschen, welche Beteiligungsformen in welcher Art und Weise für die Beteiligten vorteilhaft sind, warum, in welchem Alter und in welchen Ländern. Ich unterscheide zwischen bürgerschaftlicher und politischer Beteiligung und berücksichtige das Ausmaß der Beteiligung in einer Freiwilligenorganisation (d. h. Mitgliedschaft, aktive Teilnahme und Freiwilligenarbeit). Ich schlage ein Modell vor, demzufolge diese Beteiligungsformen psychosoziale Vorteile durch gewisse vermittelnde Pfade ergeben. Die in diesem Projekt betrachteten vermittelnden Pfade schließen das Meaning-Making, Kontrollgefühl, positive soziale Beziehungen, nützliche Kontakte und Erwerb von Fertigkeiten ein. Außerdem nehme ich an, dass die Zusammenhänge zwischen der Bürgerbeteiligung und deren psychosozialen Auswirkungen vom Alter auf der Individualebene und vom Land auf der Aggregatebene moderiert werden können.

Um mein Modell zu testen, werde ich eine Sekundäranalyse dreier großer Datensätze durchführen: der German Socio-Economic Panel (SOEP), der British Household Panel Survey (BHPS) und der European Social Survey (ESS), Runde 2012 (29 teilnehmende Länder). Jeder dieser Datensätze umfasst Informationen zu bürgerschaftlicher und politischer Beteiligung sowie andere relevante Variablen, die es jeweils ermöglichen, einige Pfade meines Modells zu testen. Zwei Panelbefragungen ermöglichen robuste longitudinale Analysen, während die ESS einen gründlichen Ländervergleich möglich macht.

Alles zusammengenommen werden die Analysen dieser Daten eine systematische, differenzierte und erklärende Darstellung von psychosozialen Vorteilen der Bürgerbeteiligung liefern. Die Befunde werden nicht nur wissenschaftlichen sondern auch praktischen Wert für die Entscheidungsträger und Organisationen im dritten Sektor und Gesundheitswesen haben, in Deutschland sowie international.

Erwartungen an ein aktives Altern: Wann und wie beeinflussen sie die Outcomes im Alter?

(DFG-gefördert, läuft seit 11.2020)

Co-PI: Opens external link in new windowKlaus Rothermund

Projektmitarbeiterin: Opens internal link in current windowSonja Radoš

Im Zusammenhang mit der demografischen Alterung werden ältere Menschen häufig mit der Erwartung konfrontiert, mehr Verantwortung für ihre Gesundheit und für ihre finanzielle Absicherung im Alter zu übernehmen und weiterhin zum Gemeinwohl beizutragen, um jüngeren Generationen nicht zur Last zu werden. Diese drastische Veränderung in gesellschaftlichen Erwartungen – von der Forderung, sich zurückzuziehen hin zu aktivem Engagement – spiegelt sich in der Forschung zu Altersbildern jedoch noch kaum wider. Viele Studien setzen den Fokus auf deskriptive Altersbilder und ihre Folgen oder auf diskriminierende Altersnormen, die eine gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen verhindern.

In diesem Projekt untersuchen wir zwei potenzielle Wirkmechanismen, über die gesellschaftliche Erwartungen des aktiven Alterns die Entwicklung im Alter beeinflussen: Internalisierung und Selbstgestaltung der eigenen Entwicklung. Inwiefern ältere Menschen bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen ausgesetzt sind, hängt von Merkmalen der sozialen Umgebung, individuellen Ressourcen, Einstellungen und auch von Selbst- und Fremdkategorisierungen als „alt“ ab. Diese Faktoren können auch Prozesse der Internalisierung und der aktiven Entwicklungsgestaltung modulieren. Wir nehmen an, dass die Reaktionen älterer Menschen auf gesellschaftliche Erwartungen zwar höchst individuell ausfallen, sich aber durch individuelle und situative Variablen systematisch vorhersagen lassen. Zudem vermuten wir, dass wahrgenommene Erwartungen bzgl. eines aktiven Alterns und ihre Auswirkungen bereichsspezifisch sind.

Unser Vorhaben bündelt zwei Forschungsdesigns: Befragung und Experiment. Im befragungsbasierten Teil werden verfügbare Daten aus zwei längsschnittlichen Surveys ausgewertet, in denen wahrgenommene Erwartungen an ein aktives Altern gemessen wurden: Die „Jenaer Studie zu sozialem Wandel und menschlicher Entwicklung“ und die „Innovationsstichprobe des  Deutschen Sozioökonomischen Panels“. Beide Surveys schließen umfangreiche Daten zu möglichen Moderatoren und Entwicklungsergebnissen ein. Im experimentellen Teil wird eine Serie von Experimenten mit mittelalten und älteren Teilnehmern durchgeführt, um zu testen, inwieweit Erwartungen an ein aktives Altern (im Vergleich zu Erwartungen, sich im Alter zurückzuziehen), internalisiert werden und die Entwicklungsgestaltung im Alter beeinflussen. In beiden Teilen werden die Effekte für die Lebensbereiche Gesundheit und soziales Engagement verglichen.

Die Ergebnisse unseres Projektes haben theoretische und praktische Relevanz. Wir wollen die psychologischen Faktoren identifizieren, die die individuelle Wahrnehmung gesellschaftlicher Normen prägen und die unsere Reaktionen darauf erklären. Außerdem können unsere Ergebnisse dazu genutzt werden, um die Bereitschaft älterer Menschen zu fördern, gesünder zu leben und am sozialen Leben teilzuhaben.


Letzte Aenderung: 08.04.2021 · Seite drucken

 


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