Sozialpädagogische Perspektiven auf Devianz Ausschnitt aktueller Studien und Forschung

Dollinger, Bernd / Oelkers, Nina (Hrsg.): Sozialpädagogische Perspektiven auf Devianz. Reihe: Verbrechen & Gesellschaft. Beltz/Juventa, Weinheim und Basel, 2015. ISBN 978-3-7799-2960-4

Devianz ist ein zentraler Gegenstand Sozialer Arbeit. Dies gilt für die praktische Arbeit in sozialpädagogischen Handlungsfeldern ebenso wie für Wissenschaft und Forschung. Die hohe Relevanz von Fragen der Abweichung findet ihre Begründung zum einen in dem gesellschaftlichen ‚Normalisierungsauftrag’ Sozialer Arbeit; zum anderen sind Besonderheiten sozialpädagogischer Devianzarbeit zu beachten, da in der sozialpädagogischen Praxis eigenständige Reflexionen und professionelles Ermessen relevant gemacht werden können (und sollen), um anwaltschaftlich für AdressatInnen einzutreten. So sind Devianz und Soziale Arbeit aufs Engste verbun- den, denn sowohl als Theorie wie auch als professionelle Praxis operiert Soziale Arbeit an der Grenze dessen, was als Normalität gefordert und als Devianz markiert wird. Trotz unterschiedlicher Theoretisierung ist unstrittig, dass sich Soziale Arbeit an der Bearbeitung der entsprechenden Grenzbestimmungen verortet.

Ein besonderes Beispiel hierfür bietet Kriminalität als besonders markante, folgenreiche und in hohem Maße in formalisierten Prozeduren zu bearbeitende Definition von Devianz. Um die Frage, wie Kriminalität verstanden wird, in welchem Verhältnis sie zu Normalität bzw. Normalitätskonstruktionen steht und wie mit ihr umgegangen wird, kreisen umfangreiche Debatten. An ihrem Beispiel zeigt sich eindrücklich, dass die Soziale Arbeit mit ihrer Grenzarbeit in vielschichtige Kontexte eingebunden ist: Was Kriminalität, ist und wie mit ihr verfahren werden soll, bestimmt sie bei Weitem nicht alleine; dennoch kommt ihr – meist – ein nicht unerheblicher Ermessensspielraum zu, um gemäß ihrer besonderen Perspektiven und Haltungen tätig zu werden.Um diese Prozesse sozialpädagogisch sichtbar und diskutierbar zu machen, bedarf es um- fangreicher Forschungen.

Als zunehmend empirisch orientierte und gleichzeitig in breite Theoriedebatten eingebundene Disziplin weist Soziale Arbeit sehr gute Voraussetzungen auf, um diese Forschungen zu leisten. Sie sind umso mehr notwendig, als Soziale Arbeit schwerpunktmäßig andere Fragen stellt als bspw. die Kriminologie oder die Kriminalsoziologie. Bei einem Überblick der neueren Forschungslandschaft zeigt sich allerdings, dass die Soziale Arbeit nicht immer derart präsent ist, wie sie es ihren Voraussetzungen und Zugängen nach sein könnte.

Diese Einschätzung bildete den Ausgangspunkt für die Zusammenstellung des vorliegenden Bandes. Er soll zeigen, auf welche Weise Soziale Arbeit in neueren Forschungen mit Devianz befasst ist. Ziel ist, entsprechende Studien sowie einzelne, bedeutsame theoretische Zugänge und damit einen Ausschnitt der sozialpädagogischen Auseinandersetzung mit Devianz sichtbar zu machen. Der thematische Fokus greift einen Kernbereich von Lehre und Forschung Sozialer Arbeit an der Universität Vechta auf, der in der universitären Landschaft ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Letzte Aenderung: 17.01.2018 · Seite drucken