BRIDGES Evaluationsergebnisse

 

Teilprojekt I: Werkstatt Inklusion

Zur Evaluation der Aktivitäten der Werkstatt Inklusion wurden im Frühjahr 2018 leitfadengestützte, halbstrukturierte Experteninterviews mit den Teilnehmer*innen der Werkstatt geführt. Es wurden zwei unterschiedliche Leitfäden für die Befragung der Professor*innen und der Promovend*innen entwickelt, die die jeweiligen Perspektiven der Befragten aufgriffen. Die Auswertung erfolgte nach Meuser & Nagel (2005). Wesentliche Ergebnisse sind insbesondere die von fast allen Befragten durchgängig geäußerte Bestätigung, von der gemeinsamen, interdisziplinären Arbeit in der Werkstatt zu profitieren, sowohl inhaltlich als auch die inneruniversitäre Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen betreffend. Es wurde verschiedentlich der Wunsch nach noch intensiverer Zusammenarbeit, d.h. nach häufigeren Treffen geäußert. Die erarbeiteten Ergebnisse der Werkstatt Inklusion (gemeinsame Definition für „Inklusion“; Qualitätskriterien für inklusive Schule sowie für inklusiven Unterricht) sowie der Prozess der Erarbeitung wurde als wertvoll und die Befragten in ihrer Arbeit voranbringend eingeschätzt. Dabei wurden bspw. von mehreren Promovend*innen auch der Wert der fächerübergreifenden Arbeit und auch die Rückmeldungen aus verschiedenen Fächern zum eigenen Promotionsprojekt in den Kolloquien besonders hervorgehoben, da hier Anregungen für die Weiterarbeit gegeben wurden, die sonst nicht erhalten worden wären.

Die Evaluation der Fachtagung Inklusion, die vom 29.11.-1.12.2017 stattfand, erfolgte, zusätzlich zu den Fragen an die Werkstattmitglieder im Rahmen der Interviewstudie, über einen teilstandardisierten Fragebogen, der allen Tagungsteilnehmer*innen zur Verfügung gestellt wurde. Auf diese Weise wurden auch hier verschiedene Perspektiven erfasst. Die Teilnehmer*innen der Fragebogenerhebung bewerteten die Beiträge (Vorträge und Workshops) der jeweiligen Fachtage durchweg mit „gut“ oder „sehr gut“. Besonders hervorgehoben wurden u.a. die hohe Professionalität der Referent*innen, die gute Arbeitsatmosphäre, die Verbindung von Theorie und Praxis sowie die Tatsache, dass auch Menschen mit Behinderung in einer Gesprächsrunde zu Wort kamen. Auf die Frage, was gefehlt hätte, wurde z.B. der Wunsch nach einer psychologischen Perspektive auf Inklusion geäußert sowie der Wunsch nach noch mehr tiefergehenden Inhalten, da vieles schon bekannt gewesen sei. Außerdem wurde mehrfach der Wunsch nach konkreten Umsetzungshilfen von Inklusion in der Schule benannt. In der Interviewstudie zeigte sich, dass die veranstaltenden Beteiligten der Fächer selbst zumeist sehr zufrieden mit der Auswahl und Qualität der eingeladenen Referent*innen waren und auch selbst von den Vorträgen inhaltlich z.T. wesentlich profitierten. Der Zugang zum Themenfeld Inklusion ist durchweg bei den meisten der Befragten professioneller Herkunft; nur wenige nannten auch Erfahrungen aus dem familiären Umkreis.

Die im Rahmen von Teilprojekt I im Mai 2018 durchgeführte Erhebung zu „Inklusion als theoretische, praktische und institutionelle Herausforderung“ untersuchte die Einstellungen der Lehrenden zu den mit Inklusion verbundenen Zielvorstellungen an der Universität Vechta (N=81). Die Ergebnisse zeigen, dass die Einschätzungen der Lehrenden zur Umsetzung von Wissen zu Inklusion im Fach eher positiv ausfallen. Es ist erkennbar, dass Inklusion zunehmend curricular und methodisch-didaktisch in den Fächern berücksichtigt wird. Hochschuldidaktischer Weiterbildungsbedarf besteht maßgeblich zu den Themenfeldern „Inklusion im Fach/in der Fachdidaktik“, „adressatengerechte Lehre“ und „adaptive Lehr/Lernkonzepte“. Weitere Analysen erfolgten anhand einer selbstentwickelten Skala, welche die Einstellungen zu den mit Hochschullehre verbundenen Zielvorstellungen auf den Dimensionen „inklusionsorientierte Professionalisierungsfunktion“ und „praxisorientierte Professionalisierungsfunktion“ misst. Dabei konnte identifiziert werden, dass sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen inklusions- und praxisorientierten Einstellungen zur Hochschullehre zeigt. Vergleichende Analysen zeigen Unterschiede nach der Statusgruppenzugehörigkeit. Initiates file download Inklusion als theoretische, praktische und institutionelle Herausforderung

 

Teilprojekt II: (Selbst-)Reflexion und Beratung

Zur Evaluation der im Rahmen der ersten Förderphase entwickelten und implementierten Lehrveranstaltungen wurde ein quasi-experimentelles Untersuchungsdesign mit drei Messzeitpunkten (MZP) entworfen: MZP1: Vor der ersten Sitzung im Wintersemester 2017/18, MZP2: Am Ende der letzten Sitzung im Wintersemester 2017/18, MZP3: Am Ende der letzten Sitzung im Sommersemester 2018. Die Datenerhebung erfolgte mittels teilstandardisiertem Fragebogen, bestehend aus Teilen bewährter Erhebungsinstrumente sowie neu konzipierten Items und offenen Fragestellungen. An den jeweiligen Befragungen nahmen vorwiegend Lehramtsstudierende, aber zu Kontrollzwecken auch Studierende aus anderen Studiengängen (z.B. Bachelor Soziale Arbeit) teil. Aufgrund der vorerst modellprojektbedingten curricularen Verankerung im Lehrveranstaltungsangebot des durch Wahlveranstaltungen gestalteten Profilierungsbereiches, bleiben die Seminargruppen bzw. Teilstichproben relativ klein (N < 10 pro Seminar). Somit lassen sich aus den quantitativen Daten letztlich aktuell vor allem Tendenzen ableiten. Die qualitativen Daten geben jedoch bereits jetzt tiefergehenden Aufschluss für die Konzeptüberarbeitung und mit Blick auf die Stärken der Module.

Die quantitativen Befunde der Befragung zeigen eine relativ einheitliche, positive Rückmeldung zu den Lehrveranstaltungen seitens der Studierenden. Die Mehrheit der Teilnehmer*innen erachtete die jeweilige Methode (eKEP, KoBeSu, Coaching) als sinnvoll und be-wertete diese hilfreich mit Blick auf ihre Selbstklärung und die Reflexion ihrer Berufswahl sowie hinsichtlich ihres Nutzens für den späteren Berufsalltag. Auch die Veranstaltungsform (Blockseminar) und das Setting der Seminare (Gesprächsrunden im Sitzkreis, etc.) wurden überwiegend positiv bewertet.

Die qualitativen Anteile der Datenerhebung betreffend, sind exemplarisch die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen des eKEP-Seminars bzgl. der individuellen Konzeption des Begriffs „Reflexion“ im Vergleich des ersten und zweiten MZP zu nennen. Die Proband*innen berichten zum zweiten MZP ein deutlich komplexeres Konzept von Selbstreflexion als zu Beginn der Veranstaltung. Die Student*innen definieren den Begriff der Selbstreflexion bei der ersten Erhebung noch eher undifferenziert als eine Form des Nachdenkens (‚sich Gedanken machen’, ‚kritisches Hinterfragen’). Im Gegensatz zu dieser allgemeinen Auffassung, wurden zum zweiten MZP durchaus umfangreichere Assoziationen berichtet: ‚Bewusstsein für das eigene Verhalten’, ‚Zusammenhang mit der eigenen Biographie/dem eigenen Lebenslauf’, ‚persönliche Weiterentwicklung’, ‚reflektieren der eigenen Haltungen’, ‚Veränderung von Verhaltensweisen/Theorien/Konzepten’, ‚Unterstützung von Selbstreflexion durch Gesprächstechniken’ etc. Darüber hinaus berichten einige Befragte zum zweiten MZP, sie haben die erlernten Gesprächstechniken bereits erfolgreich zum Einsatz gebracht und eine aufmerksamere Haltung bei Gesprächen entwickelt.

 

Teilprojekt II, Blended Learning-Angebot „Selbstregulation“

Die Evaluation des Blended Learning-Moduls „Emotionsregulation und Management persönlicher Ressourcen im pädagogischen Kontext“ wurde nach dessen Abschluss im Wintersemester 2017/2018 durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte mittels eines teilstandardisierten Fragenbogens, bestehend aus einer Kombination geschlossener und offener Items. Im quantitativen Teil der Evaluation wurden Lehrkompetenz und Engagement der Dozentin, Engagement und Lernerfolg der Studierenden sowie eine Gesamteinschätzung zur Modul-qualität erhoben. Im qualitativen Teil konnten die Studierenden ihre Meinung zum Blended Learning-Konzept und speziell zu den E-Learning Einheiten, zu den behandelten Themenfeldern sowie zur Prüfungsform äußern. Die Befragung richtete sich an die Teilnehmer*innen des Moduls, vorrangig an Lehramtsstudierende und Studierende der Sozialen Arbeit. Wegen der (für Seminare üblichen) geringen Teilnehmer*innenzahl ist die Stichprobe relativ klein (N=20, davon 17 für die Auswertung verwendbar).

Die durchgängig positiven Bewertungen der Studierenden weisen auf die gute Qualität des Moduls hin.

Im Detail geht aus der quantitativen Befragung hervor, dass die Studierenden das Blended Learning-Angebot sehr positiv bewertet haben. In der Gesamteinschätzung, in der sie ihren eigenen Lernerfolg und die Gestaltung der Veranstaltung benoten sollten, gaben nahezu alle Studierenden die Benotung „gut“ resp. „sehr gut“ ab. Sie gaben ferner an, dass sie durchgängig motiviert waren, sich etwa auf die einzelnen Sitzungen vorzubereiten und zusätzliche Texte zum Thema zu lesen. Auch gaben sie durchgängig an, das Thema der Veranstaltung interessant zu finden.

Die qualitative Befragung zeigt ein ähnliches Bild. Sowohl der Veranstaltungsmix aus Präsenz- und virtuellen Lehreinheiten als auch die Gestaltung der E-Learning-Einheiten und das Prüfungsformat wurden von den Studierenden als abwechslungsreich und angemessen beschrieben. Weitere Vorteile sahen sie in der Möglichkeit, die Bearbeitung der E-Learning-Einheiten zeitlich flexibel und in ihrem je eigenen Tempo gestalten zu können. Mehrere der Studierenden äußerten ferner, die Möglichkeiten der (Selbst-)Reflexion – bedingt durch die Modulstruktur und die Prüfungsform – als sehr gewinnbringend erlebt zu haben.

Die Impulse der Studierenden zur Überarbeitung des Modulkonzepts bezogen sich vorrangig auf die technische Umsetzung und auf die inhaltliche Gestaltung einzelner Lehreinheiten. Für die inhaltliche Weiterentwicklung ergibt sich aus den Rückmeldungen die Anforderung, diese weniger auf neurologische Themen auszurichten resp. die Auswahl der von den Studierenden zu bearbeitenden Texte zu überprüfen. Da die Modulinhalte Bezug zur pädagogischen Professionalität aufweisen, wird sich das Modul inhaltlich verändern und künftig noch stärker auf das berufliche Handlungsfeld von Lehrer*innen ausgerichtet sein.

Letzte Aenderung: 16.01.2020 · Seite drucken