Der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb des nationalen und internationalen Wissenschaftssystems hat dazu geführt, dass sich Wissenschaftler*innen sowie die Institutionen, an denen sie tätig sind, in immer kürzeren Zeitabschnitten mit Vorhaben und Projekten um Fördermittel bewerben (müssen). Allerdings ist nicht jedes Programm gleich sinnvoll, um die Ziele von individuellen Forschenden bzw. die Planungen von Arbeitsgruppen oder Instituten verwirklichen zu können. Außerdem erwarten Auswahl- oder Berufungskommissionen zunehmend, dass Bewerber*innen Strategiekonzepte zur Entwicklung ihrer eigenen Forschungen und zur Drittmittelakquise vorlegen.

Der Online-Workshop "Forschungsförderung strategisch nutzen" zielt darauf ab, die Teilnehmenden dabei zu unterstützen, strategisch mit Blick auf eigene weitergehende Karriereziele und wissenschaftliche Ambitionen zu agieren bzw. institutionelle Zielsetzungen in den Blick zu nehmen. In den digitalen Individualcoachings haben die Teilnehmenden zudem Gelegenheit, ihre ganz persönlichen Fragen und Anliegen einzubringen und das weitere Vorgehen für ihre eigene Karriere mit Blick auf die Einwerbung von Drittmitteln zu besprechen.

Das Angebot verknüpft kollegiale, kooperative Zusammenarbeit im Rahmen des Online-Workshops mit der Möglichkeit, individuelle Anliegen, Bedarfe und Besonderheiten hinsichtlich des eigenen Forschungsthemas im Rahmen der digitalen Individualcoachings zu vertiefen. Durch die Kombination sowohl aus Vermittlung von Informationen zu Fördermittelakteur*innen und strategischer Planung der Drittmittelakquise als auch die Schaffung von Sichtbarkeit für die eigenen spezifischen Bedarfe wird mit dem Angebot eine ganzheitliche Unterstützung anvisiert.

Informationen zum Angebot und den Teilnahmevoraussetzungen

Die Zentrale Einrichtung Gleichstellung & Diversität (ZEGD) der Universität Vechta stellt 8 Plätze für das Angebot "Forschungsförderung strategisch nutzen" (Teilnahme am Online-Workshop und an einem digitalen Individualcoaching) für ihre Nachwuchswissenschaftlerinnen* zur Verfügung. Sollten mehr vollständige Bewerbungen als vorhandene Plätze vorliegen, entscheidet das Los über die Platzvergabe.

 

Termin des Angebots:

Workshop: 08.12.202010:00-17:00 Uhr, digital via Zoom

Individualcoachings: 09.12.2020digital via Zoom, je 40 Minuten, ganztägig nach individueller Terminvereinbarung

 

Zielgruppe:

Nachwuchswissenschaftlerinnen der Universität Vechta: fortgeschrittene PostDoktorandinnen*, Leitungen von Nachwuchsgruppen, Vertretungs- und Juniorprofessorinnen* sowie erstberufene Professorinnen* (max. seit 18 Monaten Inhaberin* einer Professur)

 

Teilnahmebedingungen:

  • Anmeldung mit ausgefülltem Anmeldeformular "Forschungsförderung strategisch nutzen" via E-Mail an Christina Plath Opens window for sending emailchristina.plath[at]uni-vechta[dot]de bis zum 01.11.2020.
  • Die verbindliche Teilnahme und eine Selbstverpflichtung zur aktiven Teilnahme am Online-Workshop und am digitalen Individualcoaching werden vorausgesetzt. Die verbindliche Vereinbarung der Termine für das digitale Individualcoaching erfolgt in Absprache mit der Coach im Vorfeld.
  • Die Einreichung der individuellen Unterlagen (Lebenslauf) als Grundlage für den Online-Workshop und das digitale Individualcoaching (zur zielgruppenspezifischen Vorbereitung durch die Coach) sowie die unterschriebene Datenschutzvereinbarung erfolgt nach Teilnahmebestätigung und Aufforderung durch die ZEGD (müssen nicht am 01.11.2020 mitgeschickt werden!).

 

Inhalte und Aufbau des Angebots:

Das Angebot kombiniert folgende Elemente:

1) die Definition kurz-, mittel- und langfristiger individueller oder institutioneller Ziele

2) den Überblick über Förderinstrumente, die für die jeweiligen Zielsetzungen der Zielgruppe geeignet sind (Die Auswahl der jeweils geeigneten Programme erfolgt zielgruppenspezifisch, auf der Grundlage von Unterlagen der Teilnehmenden, deren gesammelte Bereitstellung bis 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn erforderlich ist. Die vertrauliche Behandlung der Unterlagen gemäß geltender Datenschutz-Bestimmungen (DSGVO) ist gewährleistet.).

3) die Auseinandersetzung mit den Perspektiven von Entscheidungsträger*innen und Gutachtenden bezogen auf die ausgewählten strategischen Ziele bzw. Förderprogramme

4) die Skizzierung, plenare Kurzvorstellung und Diskussion von Forschungsvorhaben oder Strategiekonzepten

5) der eigene Weg im Spiegel: Einzel-Kurz-Coachings am 2. Veranstaltungstag

 

Informationen zur Workshop- und Coaching-Leitung:

Dr.in Beate Scholz ist geschäftsführende Gesellschafterin der Scholz CTC GmbH einem Unternehmen mit 6 Mitarbeitenden. Sie arbeitet international als Strategieberaterin, Trainerin, Coach, Expertin und Gutachterin in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen. Zudem ist sie wissenschaftlich tätig. 

Weitere Informationen zu Dr.in Beate Scholz finden Sie / findest du Opens external link in new windowhier.


Gute Gründe für ein Angebot zur strategischen Forschungsförderung für Nachwuchswissenschaftlerinnen*

Die Entwicklung hin zu unternehmerischen Hochschulen führt seit geraumer Zeit dazu, dass die Finanzierung durch Drittmittel einen deutlich größeren Anteil am Gesamtbudget von Universitäten ausmacht, als dies noch vor 15 Jahren der Fall war. Der dadurch bestehende und zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb des Wissenschaftssystems führt dazu, dass sich Wissenschaftler*innen mit ihren Institutionen, für die sie tätig sind, in regelmäßigen Abständen um die Einwerbung von Fördermitteln bemühen müssen. Dies passiert aus dreierlei Gründen:

  1. zur Gewährleistung der Finanzierung von (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen durch Projekt-/Drittmittelstellen 
  2. zum Nachweis der eigenen Kompetenzen hinsichtlich der Akquise von Fördermitteln in Bewerbungs- und Berufungsverfahren
  3. dem eigenen Forschungsinteresse nachgehen zu können

Deshalb sind die gleichberechtigte Teilhabe an der Forschungsförderung ebenso wie ein diskriminierungsfreies Begutachtungsprozedere wichtige Aspekte von Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft. Ein Blick auf aktuelle Zahlen verdeutlicht, dass bislang keine geschlechtliche Parität hinsichtlich prozentualem Anteil der Förderanträge, der prozentualen Bewilligungen und der Höhe der beantragten Fördermittel besteht. Dabei spielt gemäß Studien insbesondere der Zusammenhang von akademischer Postion und Bewilligungserfolg eine zentrale Rolle. Wie der "leaky-pipeline-Effekt" zeigt, verlassen nach wie vor vor allem Nachwuchswissenschaftlerinnen* die universitäre bzw. akademische Karrierelaufbahn, sodass sich auf den renommierten und höheren Besoldungsstufen vor allem Wissenschaftler befinden. Hinzu kommt, dass unbezahlte Fürsorgearbeiten auch im akademischen Bereich nach wie vor nicht geschlechterparitätisch verteilt sind. Die fehlende Zeit für die Erstellung und Einreichung von qualitativ hochwertigen Forschungsförderanträgen geht dabei verstärkt zu Lasten von (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen*.

Mit dem Angebot möchten wir einen Beitrag zum Abbau dieser strukturellen Hürden leisten und einen Einblick in zentrale Aspekte strategischer Forschungsförderung für die individuelle akademische Karriere für Nachwuchswissenschaftlerinnen* schaffen!

Chancengerechte Forschungsförderung

Quellen und Publikationen

Quelle: Opens external link in new windowCEWS - Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (gesis)

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Förderatlas 2018. Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung in Deutschland. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Bonn. 
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Hg.) (2018): Chancengleichheits-Monitoring 2018. Antragstellung und -erfolg von Wissenschaftlerinnen bei der DFG. Berichtsjahr 2017. Bonn.
  • Heidler, Julia; Reichwein, Eva (2018): Die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG. Ausgewählte Befunde einer Studie zu Umsetzung und Wirkungsweisen. Hg. v. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Bonn (DFG infobrief, 1.18). 
  • van den Besselaar, Peter; Schiffbänker, Helene (2017): Final Report Summary - GENDERC (Gendered dimensions in ERC grant selection – gendERC). Hg. v. Johanneum Research Policies, Wien. Wien. 
  • Ahlqvist, Veronica; Andersson, Johanna; Söderqvist, Lisbeth; Tumpane, John (2015): A gender neutral process? A qualitative study of the evaluation of research grant applications. Stockholm: Swedish Research Council (Vetenskapsrådets rapporter).
  • Dalhoff, Jutta; Lipinsky, Anke; Löther, Andrea; Steinweg, Nina (2015): Wissenschaftskultur und Wissenschaftspolitik. Eine Bestandsaufnahme im Herbst 2015. In: CEWSjournal (100), S. 3–25. 
  • Ranga, Marina; Gupta, Namrata; Etzkowitz, Henry (2012): Gender Effects in Research Funding. A review of the scientific discussion on the gender-specific aspects of the evaluation of funding proposals and the awarding of funding. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
  • Samjeske, Kathrin (2012): Gender Bias in der Forschungsförderung – ein Forschungsüberblick. In: Femina Politica - Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft 21 (1), S. 158–162. 
  • Auspurg, Katrin; Hinz, Thomas (2010): Antragsaktivität und Förderchancen von Wissenschaftlerinnen bei Einzelanträgen auf DFG-Einzelförderung im Zeitraum 2005-2008. Unter Mitarbeit von Ina Findeisen. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Bonn. 
  • Marsh, Herbert W.; Bornmann, Lutz; Mutz, Rüdiger; Daniel, Hans-Dieter; O’Mara, Alison (2009): Gender Effects in the Peer Reviews of Grant Proposals. A Comprehensive Meta-Analysis Comparing Traditional and Multilevel Approaches. In: Review of Educational Research 79 (3), S. 1290–1326.
  • Sandström, Ulf; Hällsten, Martin (2008): Persistent nepotism in peer-review. In: Scientometrics 74 (2), S. 175–189.
  • Allmendinger, Jutta; Hinz, Thomas (2002): Programmierte (Un-)Gleichheit? Geschlechtsspezifische Chancen bei der Bewilligung von Forschungsanträgen. In: Zeitschrift für Soziologie 31 (4), S. 275–293. 
  • Wenneras, Christine; Wold, Agnes (2001): Nepotism and sexism in peer-review. Beitrag aus: Nature /Vol 387/22 May 1999. In: Jutta Dalhoff (Hg.): Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung - überholter Ansatz oder zukunftsweisende Politik? Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS). Bonn (cews.publik, No. 1), S. 14–20. 
Letzte Aenderung: 06.01.2021 · Seite drucken

Ansprechperson

Dr.in Christina Plath

E-Mail: christina.plath[at]uni-vechta[dot]de

Raum: D04

 

 

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