Anerkennung und Sichtbarmachung von Geschlechtervielfalt an Hochschulen

Geschlechtervielfalt ist Realität an und in Hochschulen. Als öffentlich-rechtliche Organisationen tragen Hochschulen die gleichstellungs- und diversitätspolitische Verantwortung, Bedingungen zu schaffen, die es allen ihren Angehörigen ermöglichen, möglichst diskriminierungsfrei zu arbeiten, zu studieren und miteinander zu interagieren.

Seit der Erweiterung des Personenstandgesetzes zum 18.12.2018 besteht nun auch die Möglichkeit der juristischen Anerkennung weiterer Geschlechter neben Mann und Frau. Für die Schaffung der strukturellen Rahmenbedingungen, die trans*, inter* und nicht-binäre Personen in die Lage versetzt, sich ohne Scham oder Angst vor Diskriminierung im Studien- und Arbeitsumfeld zu bewegen und zu interagieren, sind die Hochschulen verantwortlich.

 

Im Rahmen des Diversity-Audits hat sich 2017 eine AG zur Einrichtung einer "Toilette für Alle" gegründet, deren Anliegen durch verschiedene Hochschulgremien (AStA, Kommission für Gleichstellung und Diversität (KfG), Schwerbehindertenvertretung an der Universität Vechta (SBV), Zentrale Einrichtung Gleichstellung & Diversität (ZEGD), Dezernat 4 Liegenschaften), den Steuerungskreises des Diversity Audits sowie durch die Hochschulleitung breit unterstützt wird.

Die Realisierung der "Toilette für Alle" erfolgt durch die AG und in Kooperation mit dem Präsidialbüro Marketing und Presse sowie den zuvor genannten Einrichtungen. Ansprechpersonen für inhaltliche Fragen sind Dr.in Laura Naegele (AG-Vorsitzende) und Christina Plath.

Im Juni 2019 wurde der entsprechende Antrag zur Einrichtung einer "Toilette für Alle" vom Präsidium der Universität Vechta einstimmig bewilligt. Seitdem arbeitet die AG an der konkreten Umsetzung des Vorhabens. Die finale Einrichtung und Eröffnung der "Toilette für Alle" wird erfolgen, sobald der reguläre Lehrbetrieb im Anschluss an die Corona-Pandemie wieder aufgenommen werden kann.


Warum ist eine "Toilette für Alle" wichtig?

Die übliche Kennzeichnung der meisten öffentlichen Toiletten als sogenannte Frauen-, Männer- und Toiletten für Menschen mit Behinderungen - wie auch an der Universität Vechta - spiegelt nicht die Lebensrealität(en) vieler Menschen in unserer Gesellschaft wider. So kann der Zwang zur Auswahl geschlechtsspezifischer Toiletten und die damit einhergehende unfreiwillige Zuordnung zu einem Geschlecht, welches möglicherweise nicht der gelebten Geschlechtsidentität entspricht, ebenso wie die ungefragte Neutralisierung der Geschlechtsidentität im Kontext von Behinderung zur Kategorisierung vieler Menschen und häufig zum Ausschluss aus öffentlichen Räumen führen.
Denn wir können Menschen ihr Geschlecht nicht ansehen!


Dies macht die Nutzung öffentlicher Toiletten für eine Vielzahl von Menschen zu einer zunehmend unangenehmen Situation. Oftmals unbedacht ausgesprochene Sätze anderer Toilettennutzer*innen wie

"Das hier ist aber eine Frauen-/Männertoilette."

"Du hast dich wohl verlaufen."

tragen nicht zu einem diskriminierungsarmen Klima innerhalb öffentlicher Räume bei, sondern erhöhen im Gegenteil die Wahrscheinlichkeit, dass vor allem trans*, inter* und nicht-binäre Personen vermeiden, eine Toilette aufzusuchen, um potenziell beschämenden und diskriminierenden Situationen aus dem Weg zu gehen.

Mit der Opens external link in new windowEinrichtung einer "Toilette für Alle" möchte die Universität Vechta deshalb dem Bedarf an sicheren Toilettenräumen für alle Geschlechter nachkommen und diskriminierende Strukturen abbauen.

Letzte Aenderung: 07.07.2020 · Seite drucken