Auch Gasthörer*innen gestalten das digitale Semester mit

Die Uni: ein Ort des lebenslangen Lernens

Das lebenslange Lernen (oder auch lebensbegleitende Lernen) wird seit über 20 Jahren in der bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Debatte diskutiert. Im Vordergrund stehen dabei die Herausforderungen, die die sogenannte „Industrielle Revolution 4.0“ an die Arbeitnehmer*innen stellt: Kompetenzen, die in einer ersten Berufsausbildung erworben wurden, reichen häufig nicht mehr aus, um auf die veränderten Bedingungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, angemessen reagieren zu können.

Auch an den Hochschulen ging diese Entwicklung nicht vorbei. In den letzten Jahren hat sich eine Öffnung der Hochschulen vollzogen (z.B. eine soziale Öffnung durch die erweiterten Hochschulzugangsberechtigungen oder durch die gesetzliche Verankerung der Anrechnung von Kompetenzen, die im Rahmen einer Berufstätigkeit erworben wurden).

Auch an der Uni Vechta wurde die Studierendenschaft in den letzten Jahren heterogener; und damit auch vielfältiger. Studierende jenseits der 30, die einen Studienabschluss anstreben, prägen zunehmend den Campus mit oder auch Senioren, die nach einer aktiven Berufstätigkeit ihren Wissensdurst stillen wollen und den Kontakt wie die Diskussion mit der jüngeren Generation zu schätzen wissen.

In jedem Semester nehmen zwischen 60 bis 80 Gasthörer*innen an ca. 160 Lehrveranstaltungen teil. Die Motivation ist so vielfältig wie die Personen selbst. Da sind die Ü-60-Jährigen, die großes Interesse an universitärer Bildung haben oder es sind die 25 bis 40-Jährigen, die das Gasthörstudium als Brücke ins reguläre Studium nutzen, weil sie nach mehrjähriger Berufstätigkeit ein Studium aufnehmen und neue berufliche Perspektiven entwickeln wollen.

Auch im virtuellen Sommersemester "tummeln" sich Gasthörende in den Lehrveranstaltungen. Exemplarisch stellen wir hier einige von ihnen vor:

Mein Name ist Andreas Flug. ich bin 66 Jahre alt, von Beruf evangelischer Theologe, seit drei Jahren im Ruhestand. Im dritten Semester belege ich Lehrveranstaltungen an der Uni Vechta als Gasthörer. Die Uni Vechta macht dazu immer wieder tolle Angebote. Ich studiere, weil ich denke, dass wir lebenslang Lernende sind. Des Weiteren, weil mich philosophische und gesellschaftliche Fragen interessieren. Zum anderen, weil ich dadurch geistig beweglich bleibe und durch den Austausch mit jungen Studenten*innen „am Puls der Zeit“ bleibe. Im digitalen Studium werden die Inhalte der Lehrenden sehr gut vermittelt. Ich vermisse allerdings sehr den direkten Austausch mit anderen Studierenden. Schwierig ist für mich, dass ich als Gasthörer keinen Zugang zu aller für das Seminar vorgegebenen Literatur habe. Die Beschaffung über andere Studierende ist manchmal etwas mühsam. Wenn das Angebot stimmt, werde ich sicher auch im nächsten Semester als Gasthörer dabei sein.“

Ich bin die Jordan Reinecke, 20 Jahre alt und komme aus Südafrika, wo ich momentan auch lebe. In Deutschland zu studieren ist seit einiger Zeit mein Ziel. 2019 habe ich ein Au-Pair-Jahr in Vechta absolviert. Mittlerweile bin ich mit einem Deutschkurs beschäftigt, um mich auf die für das deutsche Studium erforderliche Prüfung vorzubereiten. Für die Teilnahme am Gasthörstudium habe ich mich entschieden, um meine Lernfähigkeit in dieser Zeit zu maximieren. Darüber hinaus bietet sie mir die Möglichkeit, mich schon ins Universitätsleben in Deutschland zu integrieren und mir ein besseres Bild von den Fächern zu machen, die ich später studieren möchte.

Wegen des Corona-Virus konnte ich nicht nach Deutschland fliegen. Dank des digitalen Semesters bedeutete dies jedoch nicht, dass ich oder sonst jemand nicht am Semester teilnehmen konnte. Ich denke, dass sich die Mitglieder der Universität Vechta sehr gut angepasst haben, um das Beste aus der Situation herauszuholen. Von Anfang an hatte ich persönlich nur sehr wenige Probleme mit der Digitalisierung. Jetzt, da ich daran gewöhnt bin, habe ich das Gefühl, dass es genauso erfolgreich sein kann wie persönliche Vorlesungen. Die Interaktion mit meinen Professor*innen war auf keine Weise eingeschränkt. Auch erwähnenswert ist die Einbeziehung von Gasthörer*innen in die gesamten Aktivitäten der Universität. Ich freue mich auf mögliche zukünftige Verbindungen zur Universität in der Stadt, die ich als meine zweite Heimat betrachte.“

Mein Name ist Karin Präger und ich bin 71 Jahre alt. Nach langjähriger Tätigkeit in der Aus - und Fortbildung sozialpädagogischer Fachkräfte und parallel dazu bis vor einem Jahr als Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen konnte ich mir im Ruhestand nicht vorstellen, auf geistige Anregung und Auseinandersetzung zu verzichten. So kam ich auf die Idee, mich für ein Gasthörstudium im kleinen Umfang von zwei Lehrveranstaltungen „Sozialwissenschaften“ einzuschreiben. Und dann kam „Corona“: Kein Info-Treffen, keine Anleitung für das Lernmanagementsystem und keine Einführung in das digitale Lernen. Eine Herausforderung! Annehmen? Ja!

Beim dritten Anlauf konnte ich aktiv an der Video-Konferenz teilnehmen! Und es ist gelungen, das Prinzip der Online-Lehrveranstaltung zu verstehen und zu nutzen! Zwar nicht umfänglich und mit Zeitverzögerung, so als stille Gasthörerin. Ohne Klausurendruck ist es für mich ein großer persönlicher Gewinn und eine erkenntnisreiche Ergänzung zu meiner aktiven Berufstätigkeit.

Danke an die Lehrenden für die gute, nachvollziehbare Aufbereitung des Lehrstoffes.

Schade, dass es nicht zum persönlichen Kennenlernen kommen konnte.

Ich habe mich trotz der Umstände, dank guter Koordination, von Anfang an als Gasthörerin an der Uni Vechta eingeladen und willkommen gefühlt. Ich mache weiter und bin im Wintersemester wieder dabei!“

"Moin, ich bin Kerstin, Mitte 40 und an der Uni Vechta als Gasthörerin eingeschrieben. Das Gasthörstudium ist für mich eine gute Möglichkeit, dass Studieren nach so fast 20 Jahren noch mal wieder auszuprobieren und Erfahrungen damit zu sammeln. So besuche ich die Vorlesungen der Rechtlichen Rahmenbedingen in der Sozialen Arbeit. Die Inhalte ergänzen ganz gut einige Bereiche in meinem jetzigen Arbeitsfeld. Doch leider sind die Erfahrungen in meinem ersten Semester ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Aber es geht zur Zeit allen so, das ist ein Trost. Prima an den corona-bedingten Veränderungen ist, dass ich den Fahrtaufwand nicht habe, mir die Vorlesung zu Hause so oft wie ich will und zu welcher Zeit es mir passt anhören kann. Das empfinge ich als Ehefrau mit fünf Kindern als ganz praktisch. Doch meine heimische „Gasthörer-Studienscholle“ ist leider sehr einsam, so fehlt mir der direkte Austausch mit Anderen. Wir sind soziale Wesen! Pflegt eure sozialen Kontakte und baut neue auf!"

Kerstin aus Cloppenburg

Herzlichen Dank an Maria Goldberg und die Gaststudierenden, die Ihre Erfahrungen geteilt haben!

Maria Goldberg (Opens window for sending emailmaria.goldberg[at]uni-vechta[dot]de) ist Koordinatorin Offene Hochschule. Mehr zum Gasthörstudium und zu Vernetzungs- und Unterstützungsangeboten erfahren Sie Opens external link in new windowhier.

 

 

Letzte Aenderung: 07.07.2020 · Seite drucken