Die Zentrale Einrichtung Gleichstellung und Diversität der Universität Vechta arbeitet nach einem intersektionalen Verständnis. Unser Ziel ist es, die Vielfalt an Lebenswirklichkeiten aller Universitätsangehöriger sichtbar zu machen, auf eine Anerkennung aller damit einhergehender Herausforderungen hinzuwirken und eine von allen Menschen an der Universität getragene und gelebte Kultur der Chancengerechtigkeit zu realisieren. 

Aber was bedeutet es eigentlich, intersektional zu arbeiten?

Nach dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung handelt es sich bei Intersektionalität um eines der wichtigsten Konzepte im akademischen und aktivistischen Kontext, um Mehrfachdiskriminierungen sichtbar zu machen und zu erforschen. Die intersektionale Perspektive veranschaulicht dabei, dass sich Formen der Unterdrückung und Benachteiligung nicht einfach aneinanderreihen lassen, sondern in ihren Verschränkungen und Wechselwirkungen Bedeutung bekommen. Kategorien wie Geschlecht, „race“, Alter, Klasse, Ability, sexuelle Identität und weitere wirken nicht allein, sondern vor allem im Zusammenspiel mit den anderen. Die intersektionale Perspektive erlaubt, vielfältige Ungleichheits- und Unterdrückungsverhältnisse miteinzubeziehen, die über die Kategorie Geschlecht allein nicht erklärt werden können.

Intersektionalität erhält dabei nicht nur im wissenschaftlichen Kontext immer mehr an Bedeutung, sondern wird auch in Empowerment-Ansätzen als Sensibilisierungsstrategie verwendet, die auf die Schnittmengen von Diskriminierungen aufmerksam macht und für die Prozesshaftigkeit binärer Differenzlinien sensibilisiert. So ist Intersektionalität auch zu einem wichtigen Konzept in politischen Praxen, wie etwa den Menschenrechtsdiskursen der EU geworden. Auch die Antidiskriminierungsstellen arbeiten mit dem Ansatz der mehrdimensionalen Diskriminierung und deren Wechselwirkungen.

historische Wurzeln der Intersektionalitätsdebatte

Die historischen Wurzeln der Intersektionalitätsdebatte finden sich gemäß Opens external link in new window"Gender Glossar" im Aktivismus, den Arbeiten und den Erfahrungen Schwarzer Frauen und Lesben wieder, die sich im Feminismus westlicher weißer Mittelschichtsfrauen nicht wiederfanden (s. u.a. „Ain´t I a Woman?“ (1851) der Frauenrechtlerin und ehemaligen Sklavin Sojourner Truth (1798-1883) sowie die Kritik am eindimensionalen Verständnis von ‚global sisterhood’ durch das Combahee River Collective 1981). Die grundlegende Kritik verdeutlichte, dass Frauen nicht nur wegen ihres Geschlechts unterdrückt werden, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe und ihrer Klassenzugehörigkeit.

Durch die US-amerikanische Juristin Prof.in Dr.in Kimberlé Crenshaw wurde der Begriff intersectionality erstmals Ende der 1980er (1989) eingebracht, der das Bild der Straßenkreuzung (englisch intersection), an der sich Machtwege kreuzen, überlagern und überschneiden, verwendete, um die Verwobenheit sozialer Ungleichheiten darzustellen. (Quelle: Opens external link in new windowGender Glossar)

Letzte Aenderung: 23.06.2020 · Seite drucken