Mit der Opens external link in new windowEU-Richtlinie 2016/2102 haben das EU-Parlament und der EU-Rat über den barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen einen rechtsverbindlichen Rahmen geschaffen, der den Zugang zu Webauftritten öffentlicher Einrichtungen in den EU-Mitgliedsstaaten regelt. Bis zum 23. September 2018 musste diese Richtlinie in deutsches Recht Opens external link in new windowumgesetzt werden.

Randbedingungen

  • Für Websites, die ab dem 23.09.2018 veröffentlicht wurden, bedeutet dies, dass sie bis spätestens dem 23. September 2019 diesen Anforderungen genügen müssen.
  • Websites, die bereits vor dem 23.09.2018 online waren, wird ein weiteres Jahr Übergangsfrist eingeräumt, hier müssen die Internetangebote bis zum 23. September 2020 barrierefrei gestaltet werden.
  • Diese Regelungen betreffen sowohl öffentliche Internetauftritte als auch interne Seiten (Intranet).
  • Moblile Anwendungen müssen ab dem 23. September 2021 den nationalen Regelungen genügen, egal, wann sie veröffentlicht wurden.

Adressaten dieser Regelung sind in Deutschland vor allem Bund, Länder und Gemeinden. Daneben aber auch juristische Personen des öffentlichen und des privaten Rechts, sofern sie im Allgemeininteresse liegende Aufgaben nicht-gewerblicher Art erfüllen. Das sind häufig Einrichtungen, die Aufgaben der so genannten öffentlichen Daseinsvorsorge erfüllen. Hierzu zählen die Sozialversicherungsträger, aber auch Kultureinrichtungen.

Das Niveau der zu erreichenden Barrierefreiheit orientiert sich an den weltweit gültigen Web Content Accessibility Guidelines (Opens external link in new windowWCAG), wie sie auch der Barrierefreien-Informationstechnik-Verordnung des Bundes (Opens external link in new windowBITV 2.0) zugrunde liegen. Diese setzt die in EU Richtline 2016/2102  über den "barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen" geforderten Mindeststandards in Bundesrecht um. Der Mindeststandard laut Artikel 6 der Richtlinie entspricht den WCAG 2.1 Level AA vom Juni 2018, die in der Opens external link in new windowEN 301 549 V2.1.2, einer europaweit gültigen Standardnormierung, im Dezember 2018 als Durchführungsbeschluss 2018/2048 als europäisch harmonisierter Standard erschienen ist.

Die Richtlinie fordert u.a. eine Reihe von zusätzlichen Maßnahmen, die in Deutschland bislang nicht oder nicht in allen Fällen vorgesehen sind:

  • Die öffentlichen Stellen müssen eine Erklärung online zur Verfügung stellen, inwiefern ihre Websites und mobilen Anwendungen der Richtlinie entsprechen. Insbesondere ist anzugeben, welche Inhalte aus welchen Gründen nicht barrierefrei nutzbar sind und ob es ggf. alternative Zugänge zu ihnen gibt.
  • Damit Nutzerinnen und Nutzer Mängel der Barrierefreiheit melden können, ist ein so genannter Feedback-Mechanismus vorzusehen. Dieser Feedback-Mechanismus soll auch dazu dienen, dass Informationen, die nach der Richtlinie nicht den Barrierefreiheitsanforderungen unterliegen, in einem geeigneten Format zur Verfügung gestellt werden können.
  • Die Mitgliedsstaaten müssen überwachen, ob die öffentlichen Stellen die Anforderungen der Richtlinie einhalten und darüber der Kommission spätestens am 23. Dezember 2021 das erste Mal und ab dann alle 3 Jahre öffentlich in einem zugänglichen Format berichten. Die Richtlinie legt für das Überwachungsverfahren weitere Einzelheiten fest.
  • Schließlich müssen die Mitgliedsstaaten ein angemessenes und wirksames Durchsetzungsverfahren zur Einhaltung der Anforderungen vorsehen. Ein solches Durchsetzungsverfahren kann zum Beispiel ein Ombudsmann respektive eine Ombudsfrau sein.

Neben der Umsetzung der gesetzlichen Regelungen bringt die barrierefreie Gestaltung der eigenen Webinhalte weitere Vorteile:

  • Inklusion und Partizipation verbessern: Erschließung von Inhalten für Menschen mit Behinderungen und mit vielfältigen Bedürfnissen
  • Abbau von Barrieren ermöglicht Zugänge: Ansprechen älterer Bevölkerungsgruppen, Erschließen jüngerer Nutzergruppen über mobile Anwendungen/Geräte
  • Wirtschaftlicher Nutzen: Suchmaschinenoptimierung, Anschlussfähigkeit an zukünftige neue Technologien und Imagegewinn durch die Demonstration von Nutzerfreundlichkeit

Neben der Erschließung von Inhalten für blinde oder sehbehinderte Menschen durch Anpassung von Texten für Screen Reader kommen weitere Maßnahmen zur Überwindung von inhaltlichen und technischen Barrieren in Frage:

  • Übersetzung von Inhalten in Leichte Sprache für Menschen mit kognitiven Behinderungen,
  • Begleitung von Inhalten in Gebärdensprache für gehörlose Menschen,
  • Ermöglichen der Navigation per Tastatur für Menschen mit motorischen Problemen.

Konkrete Maßnahmen

Für die Umsetzung der in Deutsches Recht übertragenen EU-Richtlinie bedeutet dies u.a. konkret, dass die Webinhalte maschinenvorlesbar strukturiert und Inhalte und Eigenschaften der Web-Dokumente entsprechend aufbereitet werden müssen.

Weiterhin müssen die angebotenen Webinhalte für unterschiedliche Endgeräte ("mobile devices") automatisch angepasst werden ("Responsive Design").

Im Netz gibt es Anleitungen, wie z.B. Opens external link in new windowWord-Dateien (Opens external link in new windowAlternative 2, Opens external link in new windowAlternative 3) und Opens external link in new windowpdf-Dokumente barriefrei bzw. barrierearm gestaltet werden können.

Ein ähnliches Vorgehen gilt auch für das Anlegen von Websites: Hier ist insbesondere auf eine konsequente Beachtung der Seitentitel- bzw. Überschriften-Hierarchie (H1-H2-Hn) zu achten, damit z.B. Screen Reader die Inhalte in einer korrekten Reihenfolge vorlesen können. Ebenso wichtig ist es, für Abbildungen und Tabellen alternative Texte und ggf. Beschreibungen zu formulieren, die dann als Ersatz für das Betrachten des Bildes vorgelesen werden. Ähnliches gilt auch für das Verwenden von Abkürzungen oder Verlinkungen im Text.

Software

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Letzte Aenderung: 08.11.2019 · Seite drucken

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entwickelt, die sich im Zuge des

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formiert hat und die sich kontinuierlich mit verschiedenen baulichen und technischen Aspekten der Barrierefreiheit beschäftigt.