Gestaltungskompetenz und regionale Identität

Das Konzept des Regionalen Lernens basiert auf der Auffassung, dass der Erwerb von Gestaltungskompetenz an die Erprobung von Partizipation in der Region gebunden ist. In der aktiven Teilhabe an regionalen Kommunikations- und Veränderungsprozessen wird neben einem Kompetenzerwerb gleichsam der Aufbau einer regionalen Identität ermöglicht.

Beide Konstrukte - Gestaltungskompetenz und regionale Identität – sind zwei Seiten einer Münze: Sie entstehen und wachsen in der Partizipation und bedingen sich gegenseitig, indem eine verstärkte Ausprägung auf der einen Seite gleichsam eine positive Veränderung auf der anderen Seite auslöst und umgekehrt. Ein von Schockemöhle (2009) durchgeführter Korrelationstest bestätigt diese Auffassung: Zwischen dem Erwerb von Gestaltungskompetenz und regionaler Identität kann ein hoher Zusammenhang nachgewiesen werden. So geht der Erwerb von Kompetenzen im allgemeinen interdisziplinären, vernetzten, vorausschauenden und reflektierten Denken parallel einher mit einer bewussten und differenzierten Wahrnehmung der Region im Hinblick auf regionale Prozesse und vernetzte Strukturen sowie im Hinblick auf Probleme und deren möglichen Lösungen.

Die Entwicklung von Empathie und Solidarität auf allgemeiner, raumunspezifischer Ebene ist parallel verbunden mit der stärkeren Herausbildung einer regionalen Verbundenheit in Form von einer gestiegenen Wertschätzung der natürlichen und kulturellen Umwelt und einer stärkeren Zufriedenheit mit dem alltäglichen Leben, der stärkeren Betroffenheit über problematische Situationen in der Region und dem Mitgefühl mit den Betroffenen selbst sowie eines größeren Verantwortungsbewusstseins für die regionale Entwicklung.

Schockemöhle, J. (2009): Außerschulisches regionales Lernen als Bildungsstrategie für eine nachhaltige Entwicklung. Weingarten: Selbstverlag Hochschulverband für Geographie und ihre Didaktik e.V.

Letzte Aenderung: 25.10.2018 · Seite drucken