Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten


Forschung zu Dörfern weiterhin vom Land Niedersachsen gefördert

Nach der Bewilligung von 12 Georg-Christoph-Lichtenberg-Stipendien im Zuge des Promotions­programms „Dörfer in Verantwortung – Chancengleichheit in ländlichen Räumen sichern“ im Jahre 2016 setzt das Land Niedersachsen mit der Förderung des Programms „Digitale Lebenswelten in Dörfern – Verantwortung und Steuerung der digitalen Transformation. Chancen und Risiken des digitalen Wandels für Dörfer“ seine Unterstützung des Forschungsschwerpunktes der Universität Vechta fort. Ab 2019 werden 14 StipendiatInnen an den Universitäten und Hochschulen Vechta, Hannover und Göttingen/Holzminden/Hildesheim mit insg. 781.200 € gefördert. Unter der Koordination von apl. Prof. Dr. Karl Martin Born (ISPA) konnte ein Konzept entworfen werden, das aus interdisziplinärer Perspektive die Herausforderungen der Digitalisierung in Dörfern beleuchten soll. Mit Geographie, Gerontologie, Regionalentwicklung, Raumplanung, Vermessung, Soziale Arbeit und Architektur sind wesentliche Akteure der digitalen Transformation beteiligt.

Das Promotionsprogramm „Digitale Lebenswelten in Dörfern – Verantwortung und Steuerung der digitalen Transformation“ analysiert die Interdependenzen digitaler Transformationen auf Gemeinschaftsbildung, Raumkonfigurationen und Entscheidung- bzw. Handlungsprozesse. Es knüpft dabei direkt an das laufende Programm „Dörfer in Verantwortung – Chancengerechtigkeit in ländlichen Räumen sichern“ an, indem es den Willen zur Übernahme von Verantwortung und zur Umsetzung digitaler Innovationen als eine Haltung versteht, deren Ausprägungen sich nicht nur in Dörfern gut beobachten lassen, sondern die im „System“ Dorf auch spezifische Implementations- und Realisierungsbedingungen vorfindet.

Aufbauend auf einer Forschungslücke zu räumlichen Wechselwirkungen von Digitalisierungsprozessen sowie den spezifischen Adaptionsprozessen in ländlichen Gesellschaften sollen interdisziplinär Wirkungskontexte und Prozessabläufe in der Adaption und Inwertsetzung digitaler Technologien erforscht werden. Paradigmatisch gehen wir davon aus, dass die Ausbreitung digitaler Innovationen nicht nur speziellen Raummustern folgt, sondern zusätzliche zeitliche und thematische Differenzierungen berücksichtigt werden müssen: Neben Early vs. Late Adoption gibt es auch die thematische Dimension, die als Theme-related Adoption begriffen werden kann. Mithin können dann Themen und Prozesse der Digitalisierung in Dörfern dahingehend analysiert und die beteiligten Akteure von Politik, Wirtschaft und Bürgergesellschaft diesen Kategorien zugeordnet werden.

Ziel der interdisziplinären Diskursstruktur ist die Entwicklung von zuständigkeits- und prozessübergreifenden Problemlösungen, um im Kern diese Fragen zu beantworten:

  1. Welche Potentiale entwickeln digitale Technologien zur Lösung der Herausforderungen in Dörfern und ländlichen Räumen aus der Perspektive der beteiligten Disziplinen (Geographie, Regionalentwicklung, Gerontologie, Ökonomik, Soziale Arbeit, Raumplanung, Dorfentwicklung und Architektur)?
  2. Welche Muster von Ausbreitung und Annahme digitaler Innovationen lassen sich für die einzelnen Handlungsfelder identifizieren?
  3. Welche Rolle spielen hierbei Verantwortungs- und Ermöglichungsräume?
  4. Welche konform-synergetische und konträr-antagonistische Verschränkungen lassen sich zwischen den drei Dimensionen „Gemeinschaft“, „Raum“ und „Entscheiden/Organisieren/Handeln“ beobachten?

Das Programm fokussiert die wissenschaftliche Unterstützung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume und fördert gezielt die fachübergreifenden Diskurskompetenzen für den Wissenstransfer.

Das analytische Gerüst des Programms mit Fokus auf Verantwortung und Steuerung durch und mittel Digitalisierung bilden die Dimension „Gemeinschaft“ (Kohäsion, Engagement, Marginalisierung und Kommunikation), Raum“ (Daseinsvorsorge, Infrastruktur, Mobilität, Bauen und Siedlung) und „Entscheiden, Organisieren und Handeln“ (Government, Governance, Innovationskultur, intermediäre Instanzen)


Aufbrüche und Umbrüche: Vechtaer Geographie beim DKG in Kiel

Aufbrüche und Umbrüche - Geographie(n) der Zukunft, unter diesem Motto stand der Deutsche Kongress für Geographie in Kiel vom 25.-30. September 2019, an dem das Fach Geographie und ISPA der Universität Vechta mit Sitzungen, Vorträgen und Postern intensiv beteiligt war.

Aus der Abteilung Regionales Lernen (Prof. Dr. Martina Flath) referierte Hannah Hertema über erste Dissertationsergebnisse unter dem Titel „Das geographische Schulbuch im Unterricht“. Darüber hinaus beteiligte sie sich gemeinsam mit Christian Tiller an der Postersession im Rahmen des Tages der Schulgeographie, in dem beide ihre Forschungsprojekte für Interessierte zur Diskussion stellten.

Aus der Abteilung Dynamiken ländlicher Räume leitete apl. Prof. Dr. Karl Martin Born eine Fachsitzung zu „Logiken und Praktiken der Verantwortung in ländlichen Räumen“ und organsierte bereits im Vorfeld die Sitzung des AK Dorfentwicklung in der Deutschen Gesellschaft für Geographie. Zora Becker, Matthias Galle, Lien Lammers und Anja Neubauer-Betz aus dem Promotionsprogramm „Dörfer in Verantwortung“ stellten Ergebnisse ihrer Promotionsprojekte vor. Zur Transition des Energiesystems referierte apl. Prof. Dr. Kim Schumacher, der auch auf der im Vorfeld in Kiel stattgefundenen Tagung der Deutschen Akademie für Landeskunde unter dem Schlagwort „Vegane Landschaften“ zu Szenarien der Agrarlandschaftstransformation vortrug.


Lernen für die Zukunft: Raus auf den Bauernhof Internationaler Kongress Green Care & 4. Tagung der Wissenschaftsinitiative zum Lernort Bauernhof

(v.l.) Lena Beyer, Dr.-Ing. Gabriele Diersen, Prof'in Dr. Martina Flath, Hannah Hertema, Christian Tiller

Vom 8. bis 10. Juli 2019 fand an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien ein spannender Kongress mit mehr als 25 Workshops und Vorträgen statt, in denen neueste Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis aufgezeigt wurden und die Teilnehmenden einen Überblick über die unterschiedlichen Herangehensweisen in Österreich, Deutschland, Niederlande, Italien, Norwegen und den USA erhielten.

Das Kompetenzzentrum Regionales Lernen am ISPA der Universität Vechta war mit fünf Personen vor Ort. In dem Vortrag "Globales und Regionales Lernen auf dem Lernort Bauernhof - zwei Seiten einer Medaille?" beleuchteten Prof'in Dr'in Martina Flath und Dr. Gabriele Diersen mit Thomas Hoffmann in einem dialogischen Format Bezüge ihrer Forschung zum Lernort Bauernhof. Die Promotionsarbeiten von Lena Beyer und Christian Tiller wurden in dem Workshop "Außerschulisches (regionales) Lernen - Lernorte und Lernprozesse gestalten" präsentiert. Auf dem Markt der Möglichkeiten wurden Arbeitsspektrum, aktuelle Forschungsarbeiten und Praxisprojekte von Hannah Hertema präsentiert. Zugleich war die Reise der Auftakt zu einer neuen ERASMUS+ - Partnerschaft mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien. Ein Arbeitstreffen mit der Hochschulleitung sowie Personen aus Forschung, Lehre und Transfer legte den Grundstein für die zukünftige Zusammenarbeit.

Ergänzt wurden die Vorträge durch forschungs- und praxisorientierte Workshops zu verschiedenen „Schule am Bauernhof“-Programmen. Darüber hinaus bot ein reichhaltiger „Markt der Möglichkeiten“ interessante Informationen und Materialien sowie die Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und Ideen auszutauschen an.

Am dritten Tagungstag konnten die Kongressteilnehmer*innen auf verschiedenen Lernorten praktische Erfahrungen vor Ort sammeln.

Der Rektor der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, Dr. Thomas Haase betonte, dass der Bauernhof einen idealen Lernort für Kinder und Jugendliche darstellt, um Landwirtschaft mit allen Sinnen zu erfahren. „Kinder und Jugendliche erleben hier die Vielfalt der Lebensmittelerzeugung vor Ort. Sie lernen das Zusammenspiel von Menschen, Natur und Kultur im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie kennen. Dabei werden sie motiviert, sich ihrer persönlichen Lebenswirklichkeit zu stellen und eigene Gestaltungskompetenz zu entwickeln“, so der Rektor.


Betriebserkundung der Benedikt-Schule Visbek in der Algenfarm von NOVAgreen

Im Labor probieren sich zwei Schüler an der Anfertigung von Algenperlen. (Foto: Schweers)

Am Freitag, 17. Mai 2019, fand im Unternehmen NOVAgreen die erste Erprobung des neuen Bildungskonzeptes für eine Betriebserkundung statt. Im Rahmen des Projekts „Lernstandorte der Bioökonomie – Konzeption, Aufbau und Entwicklung in der Region Weser-Ems“ wurde das Konzept von Helmut Wüstner vom Kompetenzzentrum Regionales Lernen der Universität entwickelt. Nun lag es an den zehn Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse des Profilkurses Wirtschaft von Lehrerin Christina Robin der Benedikt-Schule Visbek, die Produktion des Unternehmens kennenzulernen und dabei selbst tätig zu werden.

Am Standort des Unternehmens NOVAgreen in Großenkneten erwartete die Schülerinnen und Schüler zum einen das Labor des Unternehmens, in dem die Anzucht der Algen geschieht. Zum anderen besuchten die Schülerinnen und Schüler das Gewächshaus, in dem die herangereiften Algen bis zur Ernte in einem System aus Schläuchen und Wasserbecken fortwachsen. Bei verschiedenen Aktivitäten konnten die Schüler, angeleitet von den Mitarbeiterinnen Nicole Schmahl und Amira Antelmann, selbstständig in die Berufswelt des Laboranten eintauchen und dabei u.a. verschiedene Arten der Algen mikroskopieren, eine Algenzucht im Modell nachbauen und sich an der Herstellung der Algenperlen von Hand ausprobieren. Die Perlen gehören zum Portfolio des Unter-nehmens und werden über die Marke „Lüttge“ als Nahrungsmittel vertrieben. Bei einem gemeinsamen Frühstück konnten die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen kulinarischen Einsatzmöglichkeiten der Algen gleich ausprobieren. Schülerin Alina zeigte sich erstaunt, wie gut ihr die Algenperlen schmeckten: „Die könnte man auch Zuhause einmal probieren.“ Für die Schüler Bagdan und Dennis war das Perlendrehen der Höhepunkt der Betriebserkundung. Gefragt zu seinem Eindruck von der Veranstaltung, antworte Dennis: „Es ist klasse, dass wir selbst Experimente machen können. Ein toller Tag.“


Kontakt zum Projekt:

Helmut Wüstner
Fon    +49 (0) 4441.15 332
E-Mail    helmut.wuestner@uni-vechta.de


Neuerscheinung Lehrplan- und Schulbuchanalyse 2019

In der Reihe ISPA-Mitteilungen ist ein neues Heft erschienen. Das Heft können Sie Initiates file downloadhier herunterladen.

Letzte Aenderung: 15.10.2019 · Seite drucken