Dynamiken ländlicher Räume

LIKE-Building a Local Digital Innovation Culture INTERREG Vb

Leitung: Karl Martin Born
Partner: Stadt Vechta, Stadt Groningen (NL), Universität Groningen (NL), Provinz Drenthe (NL), Stadt Roeselare (B), Stadt Aalborg (DK)

Aus planungstheoretischer Perspektive lässt sich seit einigen Jahren ein deutlicher Trend zur Nutzung neuer Steuerungsformen in der Stadt- und Regionalentwicklung beobachten. Die damit verbundene Implementation von governance-basierten Instrumenten dient nicht nur einer Ergänzung vorhandener Government-Instrumente, sondern verfolgt darüber hinaus zwei weitere Zielsetzungen: Zum einen sollen frühzeitig und in enger Zusammenarbeit mit Akteur_innen und Stakeholdern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgergesellschaft strategische Ziele der Stadt- und Regionalentwicklung identifiziert und abgestimmt werden. Dazu werden integrierte Stadtentwicklungs- bzw.- Regionalentwicklungspläne genutzt, um konsensual ein Leitbild zu entwickeln. Zum anderen basiert dieser Ansatz auf der Annahme, dass die beteiligten Akteur_innen und Stakeholder ihre spezifischen Kompetenzen und Kapazitäten mit in den Stadt- bzw. Regionalentwicklungsprozess einbringen können und somit zu einer rascheren Umsetzung beitragen könnten. An dieser Stelle wird deutlich, dass governance-basierte Ansätze in der Stadt- und Regionalentwicklung auf dem Hintergrund negativer Beispiele (Stuttgart 21, Mediaspree etc.) auch präventiv Konflikte vermeiden sollen. Mithin ist also eine Verbesserung der Kommunikation und Information zwischen Bürger_innen und Verwaltung notwendig, da zum einen die Bürger_innen nicht ausreichend über die Ziele der Stadt- bzw. Regionalentwicklung informiert sind, und zum anderen die Institutionen der Stadt- und Regionalplanung über zu geringe Informationen über die themenbezogenen Interessen der Bürger_innen verfügen. Governance stellt an dieser Stelle allerdings keinen Ersatz der vorhandenen Instrumente der Stadt- und Regionalplanung (Regionalplan, Flächennutzungsplan, Bebauungsplan) dar, sondern lediglich eine Ergänzung im Sinne einer umfassenden Beteiligung. Basierend auf der Annahme eines wechselseitigen Informationsdefizits sollen Instrumente entwickelt werden, die frühzeitig Konfliktfelder identifizieren; dies ist gerade in dynamischen Wirtschaftsregionen mit umfassenden Flächen-Konkurrenzen notwendig. Im Sinne der Co-Creation sollen hierbei digitale Medien genutzt werden.

Laufzeit: 2016 - 2020

STRONGHOUSE Sustainable housing for strong communities

Leitung: Karl Martin Born
Partner: Stadt Bremerhaven (D), Provinz Drenthe (NL), Stadt Roeselare (B), Gemeinde Albertslund (DK), Gemeinde Fredensborg (DK), Gemeinde Orkney Islands (UK), Spring AB (S), IGEMO (B),ProjectZero (DK) Atene KOM (D), Gate 21 (DK), FORS A/S (DK), iNudgeyou (DK), Katholische Hochschule Vives Oostende (B), Universität Göteborg (S), Linné-Universität Växjö (S), Robert-Gordon-Universität Aberdeen (UK)

Die Nordseeregion als Wirtschaftsraum weist einen hohen CO2-Ausstoß auf; gleichzeitig sind die Wirtschaft und Kommunen der Nordseeregion anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Der regionale Wohnungsbau hat ein enormes Potenzial zur Reduzierung der CO2-Emissionen mittels Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien. Das Projekt Stronghouse beschäftigt sich mit der Entwicklung von Strategien zur Verringerung des Ökologischen Fußabdrucks privater Wohngebäude im gesamten NSR. Dazu bedarf es der gebündelten Information, Beratung und Motivation der einzelnen Hausbesitzer, unter Einbeziehung der KMU, bei der Planung, Finanzierung und Auftragsvergabe energetischer Sanierungsmaßnahmen - individuell und auf Nachbarschaftsebene.

Das Projekt hat zum Ziel, den ökologische Fußabdruck in 15.000 Wohnungen zu reduzieren, Investitionen in Höhe von 100 Mio. € zu erreichen und die CO2-Emissionen um 50 Kilotonnen zu mindern.

In vier Maßnahmenpaketen, deren Struktur die effektive Nutzung der Vermögenswerte ermöglicht, sollen Bausteine entwickelt werden, um mehr Hausbesitzer zu erreichen, mehr Investitionen zu er-möglichen und eine größere CO2-Reduzierung zu erzielen. Dazu gehören Instrumente und Werkzeuge zu Verbesserung der Energienutzung, Nachbarschaftskonzepte zur Organisation der notwendigen Größenordnung und zum Antrieb von Investitionen, Marktzugang für regionale KMU, die sich auf die energetische Sanierung einzelner Hausbesitzer spezialisiert haben, sowie Annahmestrategien für die Umsetzung dieser Instrumente, Ansatz und Marktzugang.

Die Universität Vechta ist deutscher Projektpartner der Weser-Ems Region. In dem Projekt Stronghouse soll das Energieeffizienzverhalten der BürgerInnen durch den Einsatz von Anreizmechanismen gestärkt werden. Zwar streben bereits viele BürgerInnen einen ökologisch nachhaltigen Lebensstil an, doch nur wenigen gelingt es tatsächlich, diese in ihrem Alltag auch zu etablieren und zu leben. Die Feldforschung wird durch eine Stakeholder-Netzwerkanalyse des ISPA (apl. Prof. Dr. Karl Martin Born) untersetzt, in der Energetiker, politische Entscheidungsträger und NGO einbezogen werden. In einem international komparativen Verfahren sollen Möglichkeiten erarbeitet werden, die Zusammenarbeit zwischen diesen Gruppen zu verbessern, um die Ziele der Ressourceneffizienz zu erreichen. Das ISPA selbst profitiert durch seine Beteiligung in Stronghouse von dem transnationalen Austausch des breit angelegten interdisziplinären Partnerkonsortiums.

Laufzeit: 2019 - 2022

Finanzierung: INTERREG

Verantwortungslogiken als Determinanten nachhaltiger Handlungspraktiken

Leitung: Christine Tamásy
Bearbeitung: André Woelk

Vor dem Hintergrund einer Potentialabschätzung für die Erschließung alternativer Proteinquellen auf Algen- und Insektenbasis, als Futtermittel in der Geflügel- und Schweinefleischwirtschaft, wird eine vergleichende Analyse akteursspezifischer Handlungslogiken in agrarischen Intensivgebieten in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich vorgenommen.

Nachhaltigkeit ist zum dominierenden Leitwort politischer, sozialer und wirtschaftlicher Praxis geworden. Die Deutungshoheit, über die genauen Inhalte des Wortes, ist umkämpft. Das Gleiche gilt für den Begriff Verantwortung, der in vielen Definitionen von Nachhaltigkeit explizit vorhanden ist oder implizit angesprochen wird.

Im Zuge dieser Entwicklungen sind auch die ökologischen Aspekte des Konsums von Lebensmitteln tierischen Ursprungs ins Blickfeld geraten. Da die Mehrheit der Bevölkerung eine vegane Ernährung ablehnt, ist zur Steigerung der Nachhaltigkeit zu klären, ob und wie auf andere Weise ein nachhaltigerer Lebensmittelkonsum realisiert werden kann.Als Teilpaket des Verbundprojektes „Sustainability Transitions in der Lebensmittelproduktion: Alternative Proteinquellen in sozio-technischer Perspektive“ werden jene Nachhaltigkeits- und Verantwortungslogiken sowie Konventionen erhoben und analysiert, auf die sich Akteure längs der Wertschöpfungsketten – vor dem Hintergrund des eigenen Nachhaltigkeitsverständnisses – in ihren Rechtfertigungen bzgl. ihres eigenen Handelns berufen. Sind jene akteursspezifischen Logiken und Koventionen bekannt, dann können diese im Sinne des bottom up Prinzips hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht, ggf. geformt, mit entsprechenden Programmen bedient und somit die Wertschöpfungsketten hinsichtlich der pluralisierten Nachhaltigkeitsgedanken optimiert werden.

Methode: Problemzentrierte Interviews; qualitative Inhaltsanalyse; Argumentationsanalyse

Laufzeit: 2015 –  2018

Finanzierung: Die Studie wird aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der VW- Stiftung durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.

Machtkonstellationen in multiskalaren Produktionsnetzwerken des Agribusiness

Leitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Christoph Krieger

Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel einer ganzheitlichen Analyse der beobachtbaren Machtkonstellationen im Produktionsnetzwerk ‚Schwein‘. So geht es einerseits um die Analyse der Machtstrukturen zwischen den einzelnen wirtschaftenden Akteuren, andererseits erfolgt eine analytische Auseinandersetzung mit dem Einfluss von politischen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren auf das Produktionsnetzwerk. Darüber hinaus werden Handlungsempfehlungen für die einzelnen Akteure abgeleitet. Den theoretischen Rahmen bilden die beiden Konzepte ‚Global Value Chains‘ (GVC) und  ‚Global Production Networks‘ (GPN).

Methode: Literatur- und Statistikanalysen, Experteninterviews

Laufzeit: seit 2012

Finanzierung: Eigenmittel

Resilienz im sozioökologischen System Dorf – Akteure, Rahmenbedingungen und Lernprozesse eines regionalen Leitbegriffs im Europäischen Kontext

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung:  Alistair Adam-Hernández

Ein explizites Ziel europäischer Regionalpolitik ist die Verringerung unterschiedlicher Entwicklungsstände innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten (Art. 174 des Lissabonner EU-Vertrags). Besonders benachteiligte Gebiete, welche von schleichenden, tiefgreifenden und zudem bedrohlichen Transformationsprozessen wie der Globalisierung, dem demographischen Wandel sowie dem Klima- und Energiewandel betroffen sind, sind dabei die ländlichen Räume. Zu untersuchen wie diese in Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit geeignete Anpassungsstrategien entwickeln und kreativ mit dem Wandel umgehen, ist die ausdrückliche Forschungsmotivation des Verfassers. Im beschriebenen Kontext von gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Wandlungsprozessen gewinnt ein Begriff mit einem sehr breiten Assoziations- und Kommunikationszusammenhang an Bedeutung: Resilienz. Hilft das Konzept der Resilienz die Anpassungsfähigkeit von Dörfern zu erklären? Welche räumlichen, ökologischen, ökonomischen oder soziokulturellen Eigenschaften und Prozesse begünstigen oder benachteiligen, dass Dorfgemeinschaften sich immer wieder neu denken und Wege aus der Krise (er-)finden?

Laufzeit: seit 2019

Finanzierung: Promotionsstipendium

Governance der daseinsvorsorgebezogenen Eigenverantwortung

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung:  Anja Neubauer-Betz

Unter der Prämisse, dass Daseinsvorsorge nur in Partnerschaft und Kooperation aller Beteiligter und Betroffener organisiert werden kann, gewinnt die eigenständige Steuerung in Form von Governance eine besondere Bedeutung. Dementsprechend soll untersucht werden, wie Akteure und Stakeholder die einzelnen Ausprägungen der Daseinsvorsorge ausgestalten, indem sie Verantwortung übernehmen bzw. die Übernahme von Verantwortung ermöglichen.

Laufzeit: seit 2019

Finanzierung: Promotionsstipendium

Die Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen Dorf und Stadt als Verantwortungsgemeinschaft: Synergien und Konflikte bei der Produktion von Energie- und Erholungslandschaften

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung:  Matthias Galle

Der Begriff der Verantwortungsgemeinschaft ist bereits seit einigen Jahren in raumplanerische Diskurse eingeführt worden. Während die Bereitstellung von Erholungslandschaften zu den „klassischen“ Funktionszuweisungen zwischen Dorf und Stadt zählt, gewinnt in jüngerer Zeit auch das Feld der Energiegewinnung an Bedeutung: Städte wollen durch die Verringerung von CO2-Emissionen nachhaltiger werden, wobei sie auf die Kooperation ihres Umlands angewiesen sind. Das Promotionsprojekt soll analysieren, welche Synergien und Konflikte aus diesen Aufgaben entstehen und in welchem Umfang die Propagierung von Verantwortungsgemeinschaft das Verhältnis von Dorf und Stadt tatsächlich modifizieren kann.

Laufzeit: seit 2019

Finanzierung: Promotionsstipendium

Die Zukunft der Dorferneuerung im Lichte neuer Verantwortungsstrukturen und Planungsmethoden

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Zora Becker

Seit den 1990er-Jahren setzt die Dorferneuerung, anfangs eine Expertenplanung, immer stärker auf die Mitwirkung der Dorfbewohner. Beteiligungsprozesse sind in der Dorferneuerungsplanung  offenbar erprobt, und dennoch stellt sich die Frage, ob die aktuelle Schrumpfung und Alterung vieler Dörfer verbunden mit dem Verlust von Strukturen der technischen und sozialen Infrastruktur und damit auch der Gefährdung der Lebensqualität nicht neue Formen einer lokalen Verantwortungsgemeinschaft und auch neue Planungsmethoden erfordert. An dieser Fragestellung sollte die Forschung im Rahmen der Promotion ansetzen.

Laufzeit: seit 2019

Finanzierung: Promotionsstipendium

Einfluss von kollektivem Erfahrungswissen auf kommunale Verantwortungsübernahme im Umgang mit internationaler Migration

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Lien Katharina Lammers

Übergeordnetes Ziel des Vorhabens ist es aus der Perspektive der Dorfentwicklung als Teilaspekt der Regionalentwicklung festzustellen, inwieweit sich Zugezogene in Anbetracht der Zeit in ländliche Gemeinden „vergemeinschaften“ (können) und welche Faktoren dies bedingen und begünstigen. Dabei soll herausgearbeitet werden, inwiefern Erfahrungen übertragen werden und/oder ob Lerneffekte aus vergangenen Vergemeinschaftungsprozessen festzustellen sind.

Auf Basis der Betrachtung von Mechanismen der Vergemeinschaftung sollen Handlungsempfehlungen entwickelt werden. Methodisch wird ein möglichst umfassender und ganzheitlicher Ansatz gewählt, der insbesondere die Perspektive der Zugezogenen erfassen und als aktive Partner im sozialen Integrationsprozess einbeziehen soll. Die Entwicklung und der Prozess der sozialen Integration soll als Teil des Akkulturationsprozesses in Dorfgemeinschaften dargestellt und unterschiedliche Perspektiven gespiegelt werden, um so ein ganzheitliches Verständnis des Ablaufes und Gelingens bzw. Misslingens zu bekommen. Die Handlungsempfehlungen sollen auch auf andere Kommunen des ländlichen Raumes übertragbar sein, um damit einen Beitrag zur Lösung soziokultureller Herausforderungen zu leisten, wie sie die Integration in ländlichen Räumen darstellt.

Laufzeit: seit 2019

Finanzierung: Promotionsstipendium

Wirkweisen der Dorfmoderation auf die dörflichen Akteurinnen und Akteure sowie auf das System Dorf

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Melissa Niewind (geb. Mertens)

Die Wirkweise der Dorfmoderation ist bisher noch nicht wissenschaftlich fundiert untersucht worden. Erste Erfahrungen und Beobachtungen seitens der Begleitforschung bestehen. Um jedoch festzustellen, welchen Beitrag die aktive Dorfmoderation für die zukunftsfähige Dorfentwicklung leistet und wie die Wirkung gesteuert werden kann, ist die umfassende Erforschung der Wirkung der Dorfmoderation auf das System Dorf und das dörfliche Leben im Allgemeinen notwendig. Da es seit einigen Jahren schon zahlreiche aktive Dorfmoderatorinnen und Dorfmoderatoren in Südniedersächsischen Dörfern gibt und somit davon auszugehen ist, dass einige Prozesse in den Dörfern angestoßen wurden, bietet sich der jetzige Zeitpunkt zur Untersuchung der Wirkweise der Dorfmoderation an. Die Erkenntnisse der Forschung sollen primär darauf abzielen, die unterschiedliche Wirkweise der Dorfmoderationen in verschiedenen Dörfern zu verstehen und eine mögliche Steuerung der Wirkweise über Schlüsselindi-katoren (im Sinne eines Wirkungsmanagement) zu ermitteln, die wiederum an die Initiatorinnen und Initiatoren der Qualifizierungsmaßnahmen weitergeben werden können bzw. eventuell eine Selbstevaluation der Dorfmoderatoren und Dorfmoderatorinnen ermöglichen. Der Untersuchungsraum bezieht sich dabei auf die Region Südniedersachsen, da hier die Qualifizierungsmaßnahme Dorfmoderation entwickelt und erprobt wurde.

Laufzeit: 2018-2021

Finanzierung: HAWK Göttingen (Fakultät Ressour-cenmanagement)

Interaktion und Integration zuwanderter älterer Menschen in ländlichen Räumen

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Alexander Kunz

Das Vorhaben widmet sich den Fragen, inwieweit Ruhesitzwanderer unter Berücksichtigung ihrer individuellen Interaktionsmuster in den neuen Wohnort integriert werden können, ob daraus Kooperationen oder Konflikte entstehen und was das für
die Entwicklung ländlicher Räume bedeutet. Relevant ist hierbei aus geographischer und gerontologischer Perspektive die Frage nach der Bedeutung von zugewanderten Menschen aus der Generation 60+ für die Entwicklung ländlicher Räume. Dabei verbindet das Vorhaben zwei Aspekte, die in der gegenwärtigen Forschung weitestgehend getrennt voneinander betrachtet werden, nämlich zum ersten der räumlichen Mobilität und zweitens dem Engagement der älteren Bevölkerung. Die bisherige Forschung zum Wanderungsverhalten älterer Menschen beschäftigt sich in erster Linie mit der Art und dem Umfang der Wanderungsbewegungen sowie den individuellen Motivationslagen, vernachlässigt jedoch die Interaktionsmuster sowie die Integrationsfähigkeit der Ruhesitzwanderer. Auch zum bürgerschaftlichen Engagement gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen, die jedoch wiederum den
Wanderungsaspekt vernachlässigen. Auch werden die Potentiale, die die Zugewanderten als Initiatoren von Kooperation sowie das Konfliktpotential nicht bzw. nur randläufig betrachtet. Das Ziel des Vorhabens ist es zu zeigen, wie die Ruhesitzwanderer vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Charakteristika und Interaktionsmustern in die Zielgemeinde integriert sind, inwieweit sich daraus Potentiale in Form kooperativer Netzwerke ergeben, welche Konfliktfelder daraus entstehen und inwieweit sich dies für die Entwicklung ländlicher Räume nutzbar machen lässt. Sowohl die Integration der Ruhesitzwanderer als auch ihr Engagement sind keine einseitigen Prozesse, die ausschließlich von den Zugezogenen ausgehen, sondern zu gleichen Teilen auch von der Aufnahmebereitschaft der neuen Lebensumwelt abhängen. Ein zentraler Moment dieser Aspekte sind demnach die Relationen von Zuwanderern zu ihrem sozialen Umfeld. Das Promotionsvorhaben basiert daher auf einem qualitativen Forschungsdesign, das durch einen netzwerktheoretischen
Ansatz erweitert wird. Die empirische Grundlage bilden leitfadengestützte Interviews, deren zentraler Baustein eine egozentrierte Netzwerkkarte darstellt. Diese Kombination aus qualitativer Inhaltsanalyse und Netzwerkkarte ermöglichte es,
 die sozialen Netzwerke der Ruhesitzwanderer zu analysieren und davon ausgehend typische Netzwerkkonstellationen zu identifizieren, die sich zum einen auf die Integration in die Zielgemeinde auswirken und zum anderen das Engagement und die Entstehung von Kooperationen begünstigen bzw. hemmen.

Laufzeit: 2018 – 2020

Finanzierung: Eigenmittel

Die Theorie der Destination Governance als Instrument zur Begründung einer Destination dargestellt am wassertouristischen Potential der Aller

Leitung/Bearbeitung: Karl Martin Born
Bearbeitung: Steffen Spiegel

Ziel dieser Arbeit ist es zu analysieren, inwiefern die Theorie der Destination Governance nicht nur geeignet ist, bestehende Destinationen zu steuern, sondern auch zur Formung einer neuen Destination herangezogen werden kann. Zur Veranschaulichung soll dies am Beispiel des Flusses Aller geschehen, der bislang nicht als eigenständige wassertouristische Destination positioniert ist. Dazu gilt es zunächst eine Zusammenstellung zu erarbeiten, die die verschiedenen Definitionen und Tragweiten des Begriffes „Destination Governance“ auflistet und vergleicht. Hierzu gehört auch eine Abgrenzung zur Theorie des Destination Management sowie die Darstellung des bisherigen Fokus´ im wissenschaftlichen Diskurs: Destination Governance zur Steuerung bestehender Destinationen. Es schließt sich an die Erörterung, wie mit Hilfe der Theorie der Destination Governance eine neue Destination geformt werden kann. Dies ist die theoretische Basis, die am praktischen Beispiel des wassertouristischen Potentials der Aller untersucht werden soll.
Hierzu wird zunächst ein kurzer Marktüberblick des Wassertourismus in Deutschland gegeben. Am Fallbeispiel des „Blauen Bandes“ wird untersucht, ob in dieser wassertouristisch erfolgreichen Desti-nation eher Konzepte des Destination Managements oder der Destination Governance genutzt werden. Es folgt eine Beschreibung der Aller sowie ihrer wassertouristischen Infrastruktur. Die weitere touristische Infrastruktur jenseits des Wasser ist ebenfalls für die Destination von Bedeutung und wird entsprechend dargestellt.  Um zu verstehen, wie bisher entlang der Aller das Tourismusmarketing funktioniert, wird zum einen untersucht, wie sich die bestehenden Destination Management Organisationen verhalten und welche Strategien sie verfolgen. Zum anderen erfolgt dieselbe Unter-suchung auch bei den touristischen Akteuren, um ein Gesamtbild des Status Quo auf der Anbieterseite zu erhalten. Die Nachfrageseite wird ebenfalls beleuchtet, damit ersichtlich wird, inwiefern Touristen die Aller bereits als Destination wahrnehmen. Aus den Ergebnissen der empirischen Untersuchungen sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, anhand derer die touristischen Akteure die Aller mithife der Theorie der Destination Governance als wassertouristische Destination positionieren können.

Laufzeit: 2019 - 2023

Finanzierung: Eigenmittel

Letzte Aenderung: 18.02.2020 · Seite drucken