Fakten zum Equal Pay Day

Der Gender Pay Gap (GPG) beschreibt die geschlechtsspezifische Lohnlücke: den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Die vom Statistischen Bundesamt errechneten Bruttostundenlöhne der Frauen betrugen im Jahr 2018 17,09 Euro, während Männer auf 21,60 Euro kamen. Damit liegt die Lohnlücke in Deutschland bei 21 Prozent.

Der Equal Pay Day markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage, die Frauen 2020 umsonst arbeiten, und das Datum des nächsten Equal Pay Day am 17. März 2020.

weitere Informationen finden Sie / findest du hier: www.equalpayday.de

Die Informationen der Zentralen Einrichtung Gleichstellung & Diversität zum Equal Pay Day 2020 erhalten Sie als eine Datei Initiates file downloadhier

Sie sind eine Frau? Herzlichen Glückwunsch, dann haben Sie in diesem Jahr bis heute umsonst gearbeitet. Warum der Einkommensunterschied? Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da? Und was hilft gegen diese Ungerechtigkeit? 5 Fakten zum Equal Pay Day, die nicht nur Frauen kennen sollten.

 

1. Frauen verdienen weniger als Männer – und zwar deutlich

Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Deshalb findet am 17. März der Equal Pay Day statt. An diesem Tag wird symbolisch darauf hingewiesen, dass Frauen auch 2020 für gleichen Lohn fast drei Monate länger arbeiten müssen, bzw. rechnerisch bis zum 17. März umsonst gearbeitet haben. (Angaben im Text für das Jahr 2020 verändert)

Deutschland steht mit dem Einkommensunterschied im europäischen Vergleich schlecht da. Zuletzt betrug er in der EU 16,3 Prozent. Nur Estland und die Tschechische Republik schnitten schlechter ab als Deutschland, während der Lohnunterschied in Italien und Luxemburg nur bei 5,5 Prozent lag.

2. Kleiner Hinweis: An den Frauen liegt es nicht

Frauen arbeiten häufig in schlechter bezahlten Berufen wie der Altenpflege oder Kinderbetreuung. Sind sie also selbst daran schuld, wenn sie weniger verdienen? Tatsächlich liegt die ungleiche Bezahlung vor allem an strukturellen Ungerechtigkeiten. Berufe mit einem hohen Frauenanteil sind schlechter bezahlt, eben weil dort vor allem Frauen arbeiten. Frauen finden sich häufiger in schlechter bezahlten Teilzeitstellen, in aller Regel kümmern sich Frauen um die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen – nehmen dadurch Karriereeinbußen in Kauf – und 2017 waren nur 29 Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt.

Selbst wenn man diese Faktoren ausklammert und sich nur Männer und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen anschaut, bekommen Frauen für die exakt gleiche Arbeit immer noch 7 Prozent weniger Gehalt. Ganz schön ungerecht, oder?

3. Der Gender Pay Gap verschärft soziale Ungleichheit

Frauen sind aufgrund des Gender Pay Gaps eher von Armut betroffen. Das zeigt sich besonders im Alter, denn in Deutschland berechnet sich die Rente danach, wie viel man verdient hat. Wenn Frauen also ihr Leben lang weniger Lohn erhalten als Männer, bekommen sie im Alter entsprechend weniger Rente. Aus dem Gender Pay Gap wird so der Gender Pension Gap, der in Westdeutschland stolze 42 Prozent beträgt. Auch verkürzte Arbeitszeiten und steuerliche Benachteiligung, zum Beispiel durch das Ehegattensplitting, tragen zur Altersarmut von Frauen bei. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass Männer in der Gesellschaft besser gestellt werden und verschärfen so soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

4. Das Problem ist global

Im globalen Durchschnitt verdienen Frauen 15,6 Prozent weniger als Männer. Allerdings unterscheidet sich das Problem von Land zu Land. Während Südkorea im globalen Vergleich mit einem Gender Pay Gap von 32,5 Prozent besonders schlecht abschneidet, verdienen Frauen in Uruguay immerhin „nur“ 3 Prozent weniger als Männer.

Weltweit kümmern sich Frauen häufiger um Kinder, pflegen Angehörige und kümmern sich um den Haushalt – und das unbezahlt. In Ländern des Globalen Südens fehlt häufig der Zugang zu Elektrizität oder fließendem Wasser. Frauen sind dann zusätzlich dafür verantwortlich, Feuerholz zu sammeln und Wasser zu holen. Auch deshalb arbeiten Frauen in Äthiopien unbezahlt über 15 Stunden pro Tag, Männer noch nicht einmal drei.

5. Die Lösung wäre gar nicht schwer

Um den Gender Pay Gap zu bekämpfen, muss unbezahlte Arbeit gesellschaftlich besser anerkannt und gerechter zwischen den Geschlechtern aufgeteilt werden. Ein Ausbau der Betreuungsangebote ist dabei genauso wichtig wie Elternzeitmodelle, die Väter dazu anregen, eine Zeit lang zu Hause zu bleiben und sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Hier ist also politisches Handeln gefragt. Die Bundesregierung tut bisher jedoch wenig, um das Problem bei der Wurzel zu packen.

Gleiche Arbeit muss außerdem ein für alle Mal gleich bezahlt werden, ohne dass Frauen weiterhin gleiche Bezahlung einfordern müssen. In Island gibt es zum Beispiel seit 2018 den „Equal Pay Act“, ein Gesetz, das Unternehmen verpflichtet zu beweisen, dass Frauen und Männer den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit erhalten.

Viele Gründe für ungleiche Bezahlung

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Teilweise werden Frauen nicht nur in den exakt gleichen Jobs wie Männer schlechter bezahlt. Sie arbeiten häufig auch in Berufen, die per se schon weniger honoriert werden, zum Beispiel als Friseurin, Bürokauffrau oder Altenpflegerin.

Frauen arbeiten auch häufiger in Teilzeit als Männer. All das zusammengerechnet führt zum sogenannten "Pay Gap", also den messbaren Wert des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen.

Politik will mehr Gleichberechtigung schaffen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will das ändern. Sie will Gesetze für mehr Gleichberechtigung schaffen. Ein Vorhaben soll beispielsweise für mehr Frauen in den Führungsebenen deutscher Unternehmen sorgen. Außerdem will Giffey die "sozialen Berufe", in denen zu etwa 80 Prozent Frauen arbeiten, aufwerten und dafür sorgen, dass dort besser bezahlt wird.

Seit Januar 2018 gibt es das sogenannte Lohntransparenzgesetz. Es soll helfen, die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verkleinern. Beschäftigte haben seitdem das Recht zu erfahren, wie Kollegen des jeweils anderen Geschlechts mit ähnlichen Tätigkeiten bezahlt werden.

Dass das dringend notwendig ist, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit: Seit 2006 hat sich der Lohnunterschied von Männern und Frauen um nur zwei Prozentpunkte verringert.

Macht das Gesetz Sinn?

Das Entgelt-Transparenz-Gesetz greift erst bei Unternehmen mit mehr als 200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Für viele Beschäftige ändert sich daher eher weniger. Trotzdem kann das Gesetz dazu beitragen, dass die Offenheit beim Thema Gehalt zunimmt.

Für die Bekämpfung der Entgeltlücke ist Transparenz deshalb wichtig, weil Frauen und Männer sich bei Lohnverhandlungen unterschiedlich verhalten: Frauen treten tendenziell zurückhaltender auf und schätzen sich ohne Vergleichsbasis niedriger als gleichqualifizierte Männer ein. Bei Beförderungen und Gehaltserhöhungen kommen sie seltener und in größeren Zeitabständen zum Zuge. Und erhalten Frauen eine Gehaltserhöhung, bleibt diese in der Regel deutlich unter dem, was Männer aushandeln.

Wird Frauen die Gehaltsschere im eigenen Unternehmen bewusst, kann das ihren Mut stärken, entsprechend ihrer Qualifikation in Zukunft mehr zu fordern.

"Wenn gleichwertige Arbeit in unserem Land gleich gezahlt wird, dann ist es nicht nur gut für die Frauen, sondern für die ganze Gesellschaft.

Am Equal Pay Day fordern wir keine Sonderrechte  - sondern Gleichbehandlung."

Zitat: Manuela Schwesig, damalige Bundesfrauenministerin, 19. Februar 2015

Letzte Aenderung: 17.03.2020 · Seite drucken