# Lyrikabend der Reihe "Poesie aus den Ländern" und eine Ausstellung von Karl-Eckhard Carius

# Eröffnung der Ausstellung durch Bazon Brock

IN DER LANDESVERTRETUNG NIEDERSACHSEN BEIM BUND IN BERLIN
MITTWOCH, 19. FEBRUAR 2014, 19 UHR

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Mit einem Lyrikabend und einer Ausstellung blickte die Landesvertretung Niedersachsen im Februar auf das facettenreiche und oftmals provozierende Werk des aus Vechta stammenden Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975). Die Niedersachsen gestalteten damit den Auftakt der Veranstaltungsreihe “Poesie aus den Ländern”, die die Literaturwerkstatt Berlin gemeinsam mit neun Ländervertretungen ins Leben gerufen hat.

Zur Eröffnung der von Prof. Karl-Eckhard Carius konzipierten und kuratierten Ausstellung, die von Prof. Bazon Brock gewohnt provokant und wortgewaltig eröffnet wurde, blickten am 19. Februar 2014 drei junge Autorinnen und Autoren auf Brinkmann. In Auseinandersetzung mit dessen Werk schufen Maren Kames, Robert Wenrich und Marius Hulpe auf Einladung der Hildesheimer Literaturzeitschrift “BELLA triste” neue Texte. Begeisterung erntete vor allen Maren Kames, die ihre Gedichte mit original Tonaufnahmen von Rolf Dieter Brinkmann verschnitt. Auch Robert Wenrich und Kollegen bedienten sich in ihrer Performance unterschiedlichster Medientechnik und Quellen.

Die Ausstellung thematisiert den Dichter in dynamisch angelegten, farblich prägnanten Bild-Text-Collagen. Das ästhetische Konzept der Ausstellungstafeln greift Brinkmanns subversive Dynamik auf, was durch die schräg verlaufenden Textblöcke und die eingeschobenen, farbig unterlegten Bildelemente bzw. Porträts, die von Zitaten und Statements durchbrochen werden, grafisch zum Ausdruck kommt. Die einzelnen Motive enthalten impulsgebende Zitate Brinkmanns, die das facettenreiche und oftmals provozierende Werk des Dichters kennzeichnen.

Die rund 150 Gäste, unter ihnen auch die Bundestagsabgeordnete aus Vechta, Gabriele Groneberg, setzten die Auseinandersetzung mit dem streitbaren Brinkmann im Anschluss an das Bühnenprogramm sehr gern in Mitten des Ausstellungslabyrinths fort.


Ausstellung

»Der unheimliche Brinkmann - Zeichen für einen Grenzgänger«
2008, Foyer Kreishaus Vechta

Ausstellung | 26. September - 28. Oktober 2008
Foyer Landkreis Vechta
Ausstellungseröffnung | 26. September 2008, 18 Uhr

Es sprechen
Landrat Albert Focke | Landkreis Vechta
Prof. Karl-Eckhard Carius | Initiator und Projektleiter
Ralf-Rainer Rygulla | Autor und Brinkmanns Freund
Prof. Dr. Martin Kagel | University of Georgia (USA)

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff

Gefördert durch:
-  Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg
-  Regionale Stiftung der Landessparkasse zu Oldenburg
-  Landkreis Vechta
-  Universität Vechta

Blick in die Ausstellung zu Rolf Dieter Brinkmann, dem berühmtesten und gleichzeitig umstrittensten Sohn der Stadt Vechta. Die Ausstellung thematisiert in verschiedenen Facetten das Werk und Leben des 1940 in Vechta geborenen Schriftstellers, der 1975 fünfundreißigjährig in London auf tragische Weise bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Brinkmanns provozierende Denk- und Schreibweise, sein scharfer Blick sowohl auf die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse als auch auf das alltägliche Leben, sind heute so wichtig wie zu seinen Lebzeiten. Jedoch scheint der von ihm geforderte, ebenso kritische wie kreative Individualismus immer mehr in einer vergnügungsorientierten "Ego-Kultur" zu verschwinden. Damit stößt auch der Umgang mit Rolf Dieter Brinkmanns Werk nach wie vor auf erhebliche Widerstände - insbesondere in der Provinz. Hier setzt das Ausstellungskonzept konzeptionell an, um über Bilder, Texte und letztlich das geplante skulpturale Zeichen einen Diskurs über Brinkmann weiter zu fördern.
24 Autoren beleuchten in der zur Ausstellung erscheinenden Publikation BRINKMANN-SCHNITTE IM ATEMSCHUTZ das Werk und Leben Brinkmanns aus verschiedenen literaturwissenschaftlichen, künstlerischen und auch ganz persönlichen Perspektiven - als Plädoyer für den UNHEIMLICHEN BRINKMANN.
In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Dichter ist der biografische Brinkmann weniger von Bedeutung als vielmehr die durch ihn verkörperte subversiv-kreative Dynamik und hohe Sensibilität, mit der er sich quer zur Welt befand. Dennoch gehören "seine Gedichte zum Schönsten und Beständigsten, was die deutschsprachige Lyrik seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat" (Jan Volker Röhnert).
Das künstlerische Vorhaben, dem Dichter an seinem Geburtsort ein Denkmal zu widmen, ist die Intention des Künstlers Prof. Karl-Eckhard Carius. Im Rahmen seines Seminars an der Hochschule Vechta wurden die Vorbereitungen zur Ausstellung entwickelt sowie die Website zum Projekt als Kommunikationsplattform erstellt. In einer weiteren Projektphase wird K.-E. Carius die Skulptur realisieren. Ein wesentliches Charakteristikum des Projekts ist es, den Dialog zur Kunst und Literatur herauszufordern und zu fördern und somit zur Kultur der Region einen substanziellen Beitrag zu leisten. Die Ausstellung soll dazu beitragen, dass die Vechtaer Bürgerinnen und Bürger auf diesem Wege doch noch zu ihrem Dichter finden.


Publikation

BRINKMANN - SCHNITTE IM ATEMSCHUTZ

KARL-ECKHARD CARIUS (HG.)
u. Mitwirkung von Wilfried Kürschner, Olaf Selg

Mit Beiträgen von:

HEINZ LUDWIG ARNOLD MICHAEL KRÜGER VIRIATO SOROMENHO MARQUES
BAZON BROCK MARCEL REICH-RANICKI KLAUS THEWELEIT
KARL-ECKHARD CARIUS JAN VOLKER RÖHNERT MICHAEL TÖTEBERG
BRIGITTE FRIEDRICH RALF-RAINER RYGULLA RICHARD WAGNER
PETER HANDKE TERESA SALEMA GLENN WALLIS
LUDWIG HAUGK JÖRG SCHRÖDER MELANIE WEIDEMÜLLER
ELFRIEDE JELINEK ECKHARD SCHUMACHER DIETER WELLERSHOFF
MARTIN KAGEL OLAF SELG MARC WELLMANN
     
edition text+kritik, München   
ISBN: 978-3-88377-938-6
34 Euro
Grafische Gestaltung
SURFACE Frankfurt/Berlin
Markus Weisbeck, John Russo

"Das Brinkmann-Buch von Karl-Eckhard Carius begleitet einerseits die Ausstellung, zugleich ist es ein wesentlicher Beitrag zur Sekundärliteratur über Brinkmann, deren ästhetische Präsentation die Lektüre zu einem spannnenden Erlebnis macht. Sie ist der bemerkenswerte, anregende Appell, Brinkmann immer wieder neu zu entdecken - und mithin ein eigenes Verhältnis zur Realität einzunehmen."   (Hans-Peter Koll, Chefredakteur FILM-DIENST)


Schulforum 3 ... Bin meine eigene Schule

Goethe und Pessoa

Prof. Karl-Eckhard Carius referiert in der Justus-von-Liebig-Schule

Am Fachgymnasium der Justus-von-Liebig-Schule in Vechta befassen sich derzeit Schülerinnen und Schüler zweier Oberstufenkurse mit den Leiden des jungen Werthers.   Sie setzen sich mit Johann Wolfgang von Goethe auseinander, mit Fragen zum Humanismus sowie mit Wertvorstellungen im heutigen Kontext. Goethe kreierte mit »Werther« eine Titelfigur, die den bürgerlichen Normen gegenübersteht. Man sah Werther als Rebell und Freigeist an - ein völliger Widerspruch zu ihren tradierten Vorstellungen.

Die Leiterin der Deutschkurse, Dr. Heidrun Drescher, hat zu diesem Themenkomplex  Prof. Karl-Eckhard Carius (IMEG-Arbeitsstelle Intermediäre Gestaltung, Universität Vechta) zu einem Vortrag in die Schule eingeladen. Bereits im vergangenen Oktober referierte Carius an der Justus-von-Liebig-Schule im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Schulforum ... Bin meine eigene Schule« zum Thema Rolf Dieter Brinkmann und stellte sich den Fragen der Schüler zum Dichterrebellen aus Vechta. Carius hat das Schulforum erstmals aus Anlass der 2008 im Kreishaus Vechta stattfindenden Ausstellung »Der unheimliche Brinkmann« veranstaltet.

In der aktuellen Schulveranstaltung stellt sich die Frage, was uns Goethe noch zu sagen hat? - „Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein".
Was inspirierender Unterricht erzeugen und welche Faszination für Schüler aus einem schöpferischen Prozess entspringen kann, veranschaulicht Prof. Carius an einem Projekt, das er mit einer Schülergruppe in Lissabon realisierte. Zwei Plastiken zu Johann Wolfgang von Goethe (Bronze) und Fernando Pessoa (Cortenstahl), bedeutendster portugiesiescher Dichter des 20. Jahrhunderts, sind das Projektergebnis, das an der Deutschen Schule Lissabon zum nachhaltigen Zeichen interkultureller Begegnung geworden ist.

Sein Vortrag befasst sich mit literarischem Dialog, Werkprozess und Ergebnis eines außergewöhnlichen kunstpädagogischen Projekts, als Beispiel interdisziplinärer Arbeit, über die man zwar im bildungswissenschaftlichen Kontext redet, in der heutigen Schulpraxis jedoch kaum eine Umsetzung erfährt. Das Goethe-Pessoa-Projekt forderte zur Auseinandersetzung damit heraus, zwei in großer zeitlicher Distanz existierende Weltanschauungen sowie die sehr unterschiedlichen Charaktere der beiden großen Dichter in einer räumlichen Begegnung als plastische Kunstwerke manifest werden zu lassen.

Im Verhältnis zwischen Pessoa und Goethe ist Faust die einzige sichtbare literarische Verbindung - und die Bewunderung, die Pessoa dem deutschen Genie entgegenbrachte. Wenn der schöpferische Impuls bei Goethe danach strebt, in der Mannigfaltigkeit der Welt die im Innersten verbindende Kraft zu erhellen, so veranschaulicht Pessoa durch einen „Multiperspekivismus literarische Gestalten", durch Heteronyme, einen anderen Weg der Vergegenwärtigung und Offenbarung kosmischer Existenz. In dieser geistigen Begegnung wird das Freisinn-Gedicht aus Goethes West-östlichem Divan zum Ausgangspunkt für das gestalterische Konzept der Goethe-Plastik. Goethe beschreibt in dem Gedicht  einen Reisenden, der 1815 seinen Aufbruch in neue Welten und die damit verbundene geistige Beweglichkeit, Freiheit und Aufgeschlossenheit für etwas Neues formuliert. Carius gibt damit Denkanstöße und stellt zu diesem Projekt fest, dass sein wesentlicher Impuls darin bestehe, „Unruhe für neue Herausforderungen zu erzeugen, jene faustische Unruhe, die Goethe und Pessoa verbindet, dieses Gefühl der Offenheit und des Verlangens nah dem noch nicht Erfahrenen."

Schulforum 2 Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Schulforum 1 Zeitkritische Literatur am Beispiel Rolf Dieter Brinkmann

30. September 2008, Kreishaus Vechta, 10 Uhr
Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung »Der unheimliche Brinkmann«.
Für Schülerinnen und Schüler an Gymnasien und Realschulen des Landkreises Vechta.

Unter Mitwirkung von:
Prof. Karl-Eckhard Carius Initiator und Projektleiter (Hochschule Vechta)
Dr. Jan Volker Röhnert (Daad-Lektor an der Universität Sofia)
Peter Rörsch (Oberstudiendirektor Gymnasium Antonianum Vechta)

Veranstalter:
Prof. Karl-Eckhard Carius, Hochschule Vechta, IMEG Arbeitsstelle Intermediäre Gestaltung
in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Vechta, Amt für Schulen


Rolf Dieter Brinkmann ist den meisten im guten wie im schlechten fast immer nur als der große Einzelne, Zertrümmerer, unangepasste, Schreckensmann und Störenfried unserer Literatur bekannt. Das ist jedoch nur eine Seite an ihm und bezieht sich häufig auf Anektotisches wie die Geschichte seiner Attacke auf Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki. Dass Brinkmann daneben jedoch ein Pädagogik-Studium absolvierte, sich durch den Umgang mit seinem behinderten Sohn mit alternativen Erziehungskonzepten beschäftigte und kurz vor seinem Tod noch den Wunsch äußerte, als Lehrer Kindern das Gedichteschreiben beizubringen, ist die andere, unterbelichtete Seite an ihm. Auch seine Lyrik ist nicht nur auf den schnellen Effekt hin gemacht. Seine Gedichte gehören zum Schönsten und Beständigsten, was die deutschsprachige Lyrik seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat - bis heute berufen sich Autoren, Künstler und Musiker auf sie, zuletzt etwa die  Hamburger Band" Kante" mit dem Album "Die Tiere sind unruhig". Brinkmann gelingen als Dichter Bilder von großer Schönheit und unmittelbarer Intensität, die - und das macht ihn für heutige Schüler besonders attraktiv - zunächst weder akademische Bildung noch großes literarisches Vorwissen erfordern, sondern direkt zugänglich sind: Sie entstammen unserer mediengeprägten Alltagskultur. In ihrer scheinbaren Unvermitteltheit und Einfachheit sind sie im besten Sinne des Wortes Schulbeispiele dafür, wie Poesie funktioniert, wie aus der Wahrnehmung simpler Einzelheiten um uns herum plötzlich ein Gedicht auf der Seite stehen kann, das Lust macht zum Weiterdenken - sehend lesend schreibend. So sind Brinkmanns Gedichte nicht zuletzt Anregungen für Schüler, sich kreativ mit dem dichterischen Prozess auseinanderzusetzen und selber Gedichte zu machen - ganz im Sinne von Brinkmanns Devise: " Gedichte sind momentane Fantasien" ... (Jan Volker Röhnert)

Letzte Aenderung: 27.03.2018 · Seite drucken

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