Digitalisierung im Schulalltag - eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung

Am Mittwoch, 29. Mai 2019, war die Netzaktivistin, Bloggerin und ehemalige Politikerin Katharina Nocun zu Gast an der Universität Vechta. Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin K. W. Schweer, Professor für Pädagogische Psychologie und Leiter des Zentrums für Vertrauensforschung (ZfV), gestaltete sie die vom ZfV initiierte Veranstaltung „Digitalisierung im Schulalltag - eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung“ in der Reihe „smart life – smart work“. Rund 120 Schüler*innen – sechs Klassen – der Ludgerusschule, der Geschwister-Scholl-Oberschule und der Liebfrauenschule kamen dazu an die Universität und diskutierten über Datensicherheit und die Digitalisierung.

In einem Impulsvortrag sprach Katharina Nocun zunächst über Datenspuren. Anschaulich machte sie den Schüler*innen klar, wie ihre Daten vernetzt werden: Aus Datenspuren einzelner Dienste lässt sich schnell ein psychologisches Profil des Menschen erstellen, so Nocun. Das Geburtsdatum und Hobbies auf Facebook, die Musikvorlieben bei Spotify, die jüngsten Einkäufe bei Amazon – schnell ergibt sich ein Bild des Internetnutzers bzw. der Internetnutzerin. Sie selbst hatte sich ihren sogenannten „Clickstream“ von Amazon senden lassen. Das Ergebnis: 15.365 Zeilen mit allen ihren Interaktionen mit der Plattform. Erschreckend sei es gewesen, was alles aufgezeichnet wurde, und bei anderen Anbietern wie Facebook oder Streamingdiensten sehe es nicht anders aus. Anhand der Daten, so Nocun, könnten die Konzerne auf Stimmung, Lebenssituation oder künftige Ereignisse im Leben der Nutzer*innen schließen und ihnen gezielt Werbung anbieten. Damit Unternehmen derart persönliche Daten nicht nutzen können, warb Nocun für die Idee des „privacy by design“, Datenschutz als Standard-Einstellung. „Denn jeder hat etwas zu verbergen“, so die Netzaktivistin. „Dieses Etwas heißt Privatsphäre.“

In der anschließenden Diskussion gaben die Schüler*innen zu nicht gewusst zu haben, wie umfangreich die Datensammlung im Internet ist. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Dinge wie meine Standortdaten gespeichert werden“, sagte die 16-jährige Lina. „Wozu brauchen die das?“ Ihre Mitschülerin Emma, 17, fand die Vermittlung solcher Fakten relevant: „Wichtig ist, dass mehr über Datenschutz informiert wird. Vor allem so, dass es jeder verstehen kann.“ Diese Einschätzung stärkte Gastgeber Prof. Dr. Martin K. W. Schweer: „Es ist eine wichtige Aufgabe für Schulen, ein Bewusstsein zu schaffen für Datenschutz und Datensicherheit. Die Vorteile von Internetdiensten verdrängen oft negative Aspekte wie mangelnden Datenschutz.“ Gerade im anonymen Raum wie dem Internet sei Nutzer*innen ihr Verhalten nicht so bewusst – würde ein derartiger Grad von Wissen näher in den sozialen Raum fallen, wüssten beispielsweise Eltern oder Lehrkräfte das, was Internetdienste über die Schüler*innen wissen, fiele deren Reaktion und Bereitschaft, Daten zu teilen, sicherlich ganz anders aus, so der Psychologe.

Nach der Diskussion mit den Schüler*innen hatten in einer zweiten Sitzung etwa 220 Bachelor-Studierende des Seminars „Soziale Interaktion und Persönlichkeitspsychologie“ von Professor Schweer ebenfalls die Möglichkeit, sich mit Nocun auszutauschen.

Bildergalerie

Katharina Nocun (l.) kam auf Einladung von Prof. Dr. Martin K. W. Schweer nach Vechta.
Emma (l.) und Lina von der Ludgerusschule wissen jetzt genauer, welche ihrer Daten im Internet gesammelt werden.
Letzte Aenderung: 19.09.2019 · Seite drucken