Im Pflanzenreich gibt es viele Arten von Pflanzenbewegungen. Ein allgemein bekanntes Beispiel für diese sind die Blätter der Mimose (Mimosa pudica), die sich durch Turgordruckveränderungen einklappen. Im Zusammenhang mit freien Ortsbewegungen (Taxien) werden Pflanzen in gängigen botanischen Lehrbüchern nicht genannt, obwohl die gesamten Pflanzen vieler Arten durch ihre kontrahierenden Wurzeln (Zugwurzeln) bewegt werden. Die Mechanismen, die diesem weit verbreiteten Phänomen der Wurzelkontraktion zugrunde liegen, sind in vielen Punkten noch nicht geklärt. Seit den 1990 Jahren wurden immer wieder Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht.
Jüngster Erfolg war die Arbeit von Dr. Nicole Schreiber, die in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ingo Burgert (Max Planck Institut Golm) und Prof. Dr. Christoph Neinhuis (Botanisches Institut der Universität Dresden) die Rübe des Rot-Klees (Trifolium pratense) untersuchte, die sich um mehr als 30 % verkürzt. Nachgewiesen werden konnten stark deformierte Gewebe neben undeformierten Fasern. Durch chemisch-strukturelle Untersuchungen (Raman-Mikro-Spektroskopie) konnte die Ähnlichkeit dieser Fasern zu „gewöhnlichen“ Zugholzfasern der Pappel gezeigt werden. Dieses Zugholz ist bekannt dafür, eine Zugspannung zu erzeugen und zum Beispiel Äste auszurichten. Durch zwei aneinander gelagerte Zellwandschichten unterschiedlicher Struktur und Chemie, von denen die innere durch Wasseraufnahme quillt und die äußere dadurch verformt wird, verkürzt sich die gesamte Faser. Die „sich verkürzende“ Funktion des Zugholzes innerhalb der Wurzel wurde anhand enzymatischer Tests an isolierten Geweben demonstriert. Die Doktorarbeit wurde 2012 erfolgreich abgeschlossen.

Letzte Aenderung: 09.04.2019 · Seite drucken

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