Ausgangspunkt der Forschungen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus war ein von der Stadt Münster finanziertes Drittmittelprojekt, in dem der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Münster untersucht wurde. Die Ergebnisse wurden in dem Band Joachim Kuropka (Hrsg.): Meldungen aus Münster 1924-1944, Münster 1992 sowie in einer Reihe von Aufsätzen in den Westfälischen Forschungen und einem größeren Beitrag in der Geschichte der Stadt Münster publiziert.

Noch während der Laufzeit dieses Projekts begründete Joachim Kuropka die Reihe Dokumente und Materialien zur Geschichte und Kultur des Oldenburger Münsterlandes, deren erster Band 1983 erschien, und richtete seine Aktivitäten verstärkt auf regionale Zugänge zum Widerstand und auf dessen christliche Motivation. Es gelang ihm Studierende, Lehrer und Wissenschaftler für diesen Themenbereich zu interessieren, so dass ein Arbeitskreis entstand, aus dem sich unter seiner Leitung Forschungsgruppen zu verschiedenen Themenbereichen konstituierten.

Dokumente und Materialien zur Geschichte und Kultur des Oldenburger Münsterlandes

Joachim Kuropka: Für Wahrheit, Recht und Freiheit - Gegen den Nationalsozialismus (Dokumente und Materialien zur Geschichte und Kultur des Oldenburger Münsterlandes, Bd. 1) Vechta 1989

Rudolf Willenborg: Die Schule muß bedingsungslos nationalsozialistisch sein. Erziehung und Unterricht im Dritten Reich (Dokumente und Materialien zur Geschichte und Kultur des Oldenburger Münsterlandes, Bd. 2), Vechta 1986

 Werner Teuber: Als gute Unterthanen und Bürger ... geduldet, verfolgt, vertrieben, ermordet. Jüdisches Schicksal 1350-1945 (Dokumente und Materialien zur Geschichte und Kultur des Oldenburger Münsterlandes, Bd. 3), Vechta 1988

In den Jahren 1983-1986 wurde der Kreuzkampf in Oldenburg mit seinen nationalen und internationalen politischen und religiösen Verflechtungen aufgearbeitet und als Ergebnis ein Sammelband Joachim Kuropka (Hrsg.): Zur Sache -Das Kreuz! Untersuchungen zur Geschichte des Konflikts um Kreuz und Lutherbild in den Schulen Oldenburgs, zur Wirkungsgeschichte eines Massenprotests und zum Problem nationalsozialistischer Herrschaft in einer agrarisch-katholischen Region, Vechta 1986, 2. Aufl. 1987, 512 Seiten, veröffentlicht sowie eine Wanderausstellung erarbeitet. Diese wurde u.a. gezeigt im Museumsdorf Cloppenburg, in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster, in der Niedersächsischen Landesvertretung in Bonn, im Stadtmuseum Oldenburg sowie in einer Reihe von Städten und Gemeinden des Oldenburger Münsterlandes. Das Projekt wurde über Drittmittel finanziert und hat eine hohe Resonanz gefunden, die sich neben Zeitschriftenberichten über die Ausstellung in ca. 40 Besprechungen niederschlug. Zu der Ausstellung erarbeiteten Lehrer, die in der Arbeitsgruppe mitarbeiteten, didaktisches Material zur Unterrichtsarbeit in Schulklassen.

1990 konstituierte sich eine Forschungsgruppe zur Aufarbeitung von Lebensund Wirken des in Dinklage geborenen Bischofs von Münster Clemens August Kardinal von Galen, für den historisch-kritische wissenschaftliche Arbeiten bis dahin nicht vorlagen. Im Ergebnis wurde eine Ausstellung erarbeitet, die in ca. 25 Städten und Gemeinden gezeigt wurde, darunter im Niedersächsischen Landtag, im Berliner Abgeordnetenhaus, im Stadtmuseum Münster, im Museum Gelsenkirchen, im Kulturgeschichtlichen Museum Duisburg, im Xantener Dom, im Kreuzgang der Maximiliankirche in Düsseldorf und in der evangelischen Marienkirche in Lübeck, um nur die wichtigsten Ausstellungsorte zu nennen.

Die beiden zu Beginn der Ausstellung erschienenen Publikationen Joachim Kuropka (Hrsg.): Clemens August Graf von Galen. Neue Forschungen zum Leben und Wirken des Bischofs von Münster, Münster 1992, 2. Aufl. 1993, 439 Seiten, und Joachim Kuropka unter Mitarbeit von Maria Anna Zumholz: Clemens August Graf von Galen. Sein Leben und Wirken in Bildern und Dokumenten, Cloppenburg 1992, 2. erw. Aufl. 1993, 3. Aufl. 1997, 295 Seiten, fanden national und international hohe Aufmerksamkeit, die sich in einer großen Anzahl von Besprechungen in der überregionalen Presse, in Zeitungsberichten und in Rezensionen in den historischen und regionalen Fachzeitschriften niederschlug.

Das Thema Galen wurde weiterverfolgt und 1998 erschien ein durch Tagungen unter Beteiligung zahlreicher auswärtiger Wissenschaftler vorbereiteter Sammelband Joachim Kuropka unter Mitarbeit von Gian Luigi Falchi, Franz-Josef Schröder und Thomas Sternberg (Hg.): Clemens August Graf von Galen. Menschenrechte-Widerstand-Euthanasie-Neubeginn, Münster 1998, 2. Aufl. 2001.

Angesichts der öffentlichen Kontroversen um die Seligsprechung Clemens August von Galens am 9. Oktober 2005 fand im Frühjahr 2006 in der Katholischen Akademie Kardinal von Galen eine vom Forschungskreis um Joachim Kuropka vorbereitete Tagung statt, deren Ergebnisse in dem Sammelband Joachim Kuropka (Hg.): Streitfall Galen. Clemens August Graf von Galen und der Nationalsozialismus, Münster 2007, 2. Aufl. 2007, 541 Seiten, publiziert wurden. Der Sammelband wurde der Öffentlicheit am 22. März 2007, dem 61. Todestag des Kardinals, in der Diözesanbibliothek in Münster im Rahmen der Eröffnung einer Ausstellung von Schriften Bischof Galens der Öffentlichkeit übergeben.

Warum verfolgte das NS-Regime Kirchen und Christen, wenn diese doch nach Ergebnissen von Widerstandsforschern seinen Bestand gar nicht gefährdeten? Um diese Frage ging es auf einer von Prof. Dr. Joachim Kuropka geleiteten Tagung zum Thema Geistliche und Gestapo - Klerus zwischen Staatsallmacht und kirchlicher Hierarchie, die im August 2002 in der Katholischen Akademie in Stapelfeld abgehalten wurde.

Vor dem Hintergrund eines weit gespannten Verständnisses von Widerstand gingen die Referenten dieser Frage anhand exemplarischer Fallstudien in konfessionsvergleichender Perspektive auf den Grund. So behandelte Wolfgang Dierker nach zwei einleitenden Beiträgen von Joachim Kuropka die Kirchen- und Religionspolitik des NS-Regimes am Beispiel des Sicherheitsdienstes der SS. Bei Thomas Fanderl ging es um evangelische und katholische Pfarrer in der Pfalz. Klemens August Recker befasste sich mit der Zusammenarbeit zwischen Bistumsleitung und Gestapo in Osnabrück. Weiterhin wurden vorgestellt: Der selbstbewusste katholische Pfarrer Franz Sommer in Bösel (Rudolf Willenborg), der Religionslehrer und Kaplan Johannes Göken in Hemmelte (Joachim Kuropka), der Dominikanerpater Aurelius Arkenau (Rainer-Maria Groothuis OP) und der in bezug auf sich selbst wie auf andere sehr anspruchsvolle Pfarrer Gottfried Engels aus Peheim, der etliche Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern litt (Maria Anna Zumholz) sowie der couragierte evangelische Kirchenrat Hermann Buck (Reinhard Rittner).

Die Beiträge sind voröffentlicht in dem Sammelband: Joachim Kuropka (Hrsg.): Geistliche und Gestapo. Klerus zwischen Staatsallmacht und kirchlicher Hierarchie, Münster 2004, 307 Seiten.

Über 40 Schüler und Mitglieder der Arbeitsstelle für Katholizismusforschung widmeten Joachim Kuropka anlässlich der Vollendung seines 65. Lebensjahres die Festschrift Michael Hirschfeld/Maria Anna Zumholz (Hrsg.): Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932-1945. Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora, Münster 2006, 818 Seiten, mit einer kollektiven Konfliktbiographie des Oldenburgischen Klerus. Das Buch dokumentiert auf einer breiten Quellengrundlage alle aktenkundig gewordenen Konflikte katholischer Priester und Ordensleute im Offizialatsbezirk Oldenburg, dem Oldenburgischen Teil des Bistums Münster. In über 80 Beiträgen spielen nicht nur die Einzelschicksale der Opfer eine Rolle, sondern werden auch Alltagsgeschichten einzelner Pfarrgemeinden und nationalsozialistische "Täter" geschildert. Eine regionale Besonderheit im oldenburgischen Teil des Bistums Münster ist der harte kirchenpolitische Kurs des oldenburgischen Ministers der Kirchen und Schulen, Julius Pauly, der die Erziehung der Jugend strikt nationalsozialistisch ausrichten wollte

Vom 22. bis zum 24. Oktober 2009 fand in der Universität Vechta eine von Professor Dr. Joachim Kuropka initiierte und geleitete internationale Tagung mit dem Thema Die Grenzen des Milieus. Vergleichende Analysen zu Stabilität und Gefährdung katholischer Milieus in der Endphase der Weimarer Republik und in der NS-Zeit statt.

Die Vorträge und einige ergänzende Aufsätze wurden 2013 von Joachim Kuropka unter dem gleichnamigen Titel publiziert. Als Ergebnis der 14 Regionalstudien zeigte sich, dass es nicht ein katholisches Milieu in Deutschland gab, sondern unterschiedliche Regionalmilieus, geprägt von spezifisch regionalkulturellen Grundlagen, gesellschaftlich-mentalen Traditionen sowie abweichenden sozialen und ökonomischen Strukturen.

Für die Stabilität der Milieus, ihre Prägekraft, Immunisierungsfähigkeit und die Reichweite katholischer Überzeugungen war vor allem die Intensität der überweltlichen Ausrichtung mit ihrer Stärkung der seelischen Widerstandskraft von Bedeutung. Unltramontan grundierte, sozial verdichtete Gesellschaften mit einem intenrsiv gelebten Ritualsystem zeigten die stärkste Widerstandskraft. So konnte die Gestapo zu der Einsicht gelangen, dass die Kirche den Nationalsozialismus "unter rein religösen Parolen" entgegentrete, was jedoch unter einem totalitären Regime eine hohe politische  Brisanz entfaltete.

 

Joachim Kuropka feierte am 20. September 2011 seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass fand am 21. September 2011 in der Katholischen Akademie in Stapelfeld ein Akademieabend zum Thema Kreuzkampf im Oldenburger Land - einem der vielen Arbeitsschwerpunkte von Joachim Kuropka - statt. Die an diesem Abend gehalten Vorträge wurden in erweiterter Form und durch zwei weitere Beiträge ergänzt in dem Sammelband Maria Anna Zumholz (Hrsg.): "Katholisches Milieu und Widerstand". Der Kreuzkampf im Oldenburger Land, Münster 2012 als Band 29. der Vechtaer Universitätsschriften publiziert.

Der Kreuzkampf im Oldenburger Land war der einzige erfolgreiche Volksaufstand in der Zeit der NS-Herrschaft. Er fügte dem NS-Regime einerseits einen großen Legitimationsverlust zu und strafte die NS-Fiktion einer "Nationalsozialistischen Volksgemeinschaft" Lügen. Andererseits zog er jedoch auch eine Professionalisierung des Unterdrückungsapparates und ein schärferes Vorgehen gegen Regimegegner nach sich. Somit erzielte der Kreuzkampf die paradoxe Wirkung, dass der erfolgreiche Widerstand nicht nur das NS-Regime, sondern auch die Bedingungen für widerständiges Verhalten schwächte.

 

 

Letzte Aenderung: 16.01.2020 · Seite drucken

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