| Die Geschichte hinter dem Film ... "Ich kann Ihnen versichern, dass Sie heute etwas unikales erleben. Einen vom International Office der Universität Vechta gedrehten Film werden Sie heute zum ersten, einzigen und damit auch zum letzten Mal sehen. Keine Fortsetzung, kein Remake. Ob Sie dies begrüßen oder bedauern, können Sie nach dieser Premiere selbst entscheiden. Wie hat alles begonnen? Am Anfang war die Ausschreibung. Der Deutsche Akademische Austauschdienst hatte im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten "go out! studieren weltweit" - Kampagne u.a. Gelder für die Erstellung von Werbefilmen für studienbezogene Auslandsaufenthalte zur Verfügung gestellt. Toll, dachte ich. In dieser multimedialen Jugendwelt würden - hätten wir nur einen Film - alle unsere Austauschstudienplätze weltweit endlich mal gefüllt. Der Antrag, man muss ihn sich ihn als fiktionalen Sachtext vorstellen - also viel Phantasie gepaart mit in die Zukunft gerichteter Antizipation gemischt mit Verwaltungsdeutsch, "Internationalisierungs-Sprech" und filmischen Fachausdrücken - gelang gut und wir erhielten im Frühjahr 2010 die Förderzusage. Die Mittel wurden wie beantragt bewilligt! Schön, die Freude war groß, nur, wie dreht man wirklich - außerhalb jeglicher Antragslyrik - eigentlich einen Film? Wer dreht ihn und was benötigt man dafür? Erste Versuche dies im Vechtaer Umfeld zu klären schlugen fehl. Musterarbeiten entsprachen nicht meinen Vorstellungen. So konnten wir auch durch eine zweistündige mediale Vorlesung nicht davon abgehalten werden, den Film zu drehen, obwohl uns langsam klarer wurde, dass das Vorhaben recht schwierig würde und sicherlich neue Dimensionen von Herausforderungen auf uns warten würden. Nun, was tut man, wenn man etwas nicht kann. Man versucht zu delegieren. In meinem Fall hatte ich eine studentische Hilfskraft im Auge, die - als ich sie fragte, ob sie die Koordination des Filmes übernehmen wolle - mehr oder weniger freudig zustimmte. Ehrlich gesagt, konnte ich auf das "weniger" nicht so viel Rücksicht nehmen, schließlich stand die Sache im Mittelpunkt und das Geld war bewilligt. Hauptsache war daher, dass sich meine Hilfskraft enthusiastisch an die Arbeit machte. Eine Sache - und diese wird das erste dramatische Moment in der Genese werden - konnte/ wollte ich nicht delegieren. Kurz, es geht um die Story, aus der das Drehbuch entstehen sollte. Seit März 2010 versuchte ich also die Story, oder auch nur den Plot zu entwickeln. Unzählige Wetten habe ich seitdem verloren. Rituell verabschiedete ich mich freitags mit den Worten "Wetten, dass am Montag alles fertig ist?" Ich war kurz davor, Haus und Hof zu verspielen und habe meine Wettschulden - ehrlich gesagt erinnert sich aufgrund der Vielzahl niemand mehr an die Einsätze - bis heute nicht einlösen können. Die Monate verstrichen und das Drehbuch wurde nicht fertig. Alles andere stand. Es war inzwischen - Grundschulfreundschaften wurden hierfür aktiviert - gelungen, ein professionelles Filmteam, in dessen Mittelpunkt unserer Regisseur Elmar Strotmann steht, zu gewinnen. Absprachen über Zeiträume wurden getroffen - und wegen der fehlenden Story - wieder verworfen.
Dann kam am 13.10. 2010 diese Mail unseres Filmteams - vorher hatte sich der DAAD auch schon Großbuchstabig gemeldet - mit folgendem Inhal: "Hallo, Manuela, so zwischendurch wollte ich Dir mal ein Feedback geben. Sowohl Elmar als auch ich fühlen uns ziemlich auf den Arm genommen. Das Projekt läuft entweder gar nicht, dann hätten wir eine Nachricht erwartet, oder es machen andere, auch dann hätten wir gerne gewusst, woran wir sind. Insgesamt ist es für Profis einfach unbefriedigend. Sorry. Herzliche Grüße, auch von Elmar, Rudi." Zeit zu handeln - dachte sich meine Mitarbeiterin. Kurzum, sie übernahm die Erstellung der Story, indem sie sich, mich und eine unserer Hilfskräfte mit massenweise Süßigkeiten und anderen legalen Drogen einen Abend in ihrer Karzer-Küche einschloss. Das Resultat war verblüffend. Wir alle waren nicht mehr ganz im vollen Besitz unserer Reaktionsfähigkeit, aber die Story stand!
Die Reaktion unserer Profis war ernüchternd: Es hieß: "[...] so wie das ist, kann man nichts damit anfangen. Es sind nette Absichtserklärungen. [...] Locations müssen festgelegt werden, Kostüme und Requisiten (wer besorgt sie, wer zahlt?), wer macht die Termine, überwacht ihren Einhalt ... und so weiter und so weiter."
To make a long story short: In mühsamer Kleinarbeit wurde alles geregelt: die Schauspielerinnen und Schauspieler wurden gefunden, Drehgenehmigungen wurden eingeholt, Kostüme wurden besorgt, die Anbindung des Projekts an das Curriculum wurde erreicht, Bildrechte wurden besorgt, Termine wurden gemacht, Unterstützerinnen und Unterstützer des Projekts wurden gefunden - kurz: die komplette Koordination des Projekts wurde in so mancher Nacht- und Nebel-Aktion verwirklicht.
Endlich war es so weit: Der erste von vier Drehtagen stand an. Elmar kam in seiner Glückmütze, die er auch heute am Premiereabend trägt - es konnte also nichts schiefgehen. Die Sonne lachte und der Gorilla hatte die Toncoole im Griff. Der Victoriasee wurde nach Vechta verlegt. Aber daraus wurde eine Art Überlebenstraining. Denn, so mussten die Älteren unter uns feststellen, gehört es keinesfalls mehr zu den Kulturtechniken der Jugend, Zelte aufbauen zu können. Non scholae ... So dauerte es recht lange, bis unser Heimatdorf von Dr. Livingstone am Victoriasee aufgebaut war. Einer der Höhepunkt war der Außendreh auf dem Weg nach Bremen. Wildeshausen wurde zu Omsk und die Nordwestbahn zur transsibirischen Eisenbahn. Auf einmal erschien uns die niedersächsische Landschaft sehr sibirisch. Von unserem Hauptdarsteller können Sie lernen wie man eine abfahrende Nordwestbahn anhält: Sie rufen rennend, Hände rudernd, laut: "Nicht ohne mich!" Laut Drehbuch sollte die Bahn weiterfahren, aber unser Hauptdarsteller war so überzeugend, dass sie anhielt. Unvergessen ist auch, dass unser letzter Drehtag, ein Sonntag, erst um 22 Uhr endete. Wir hatten den ganzen Tag Green Screen gedreht. Vor einem grünen Tuch werden die Szenen gedreht, deren Hintergrund dann digital eingefügt wird. Um das passgenaue Einfügen zu ermöglichen, müssen die Szenen oft wiederholt werden, damit das Verhältnis zu den Objekten, die eingefügt werden, stimmt. Hinzukommt, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler hierfür sehr viel Phantasie benötigen, da sie auf einem grünen Tuch zum Beispiel Pyramiden oder die Golden Gate Bridge visualisieren müssen. Außerdem - und dies war noch vor der heutigen Atomdebatte - fiel in der Aula, unserem Drehort - permanent der Strom aus. So ist es nicht verwunderlich, dass die jubelnden letzten Worte unseres Hauptdarstellers lauteten: "Endlich die *pieeeps* Tonarmee erreicht!" Die Schauspielerinnen und Schauspieler mussten sich oft in sehr viel Geduld üben - weil Dreharbeiten eben langwierig sind und einzelne Einstellungen immer wider wiederholt werden mussten. Manchmal war der Frust darüber sehr deutlich. Dennoch haben uns viele Rückmeldungen erreicht, aus denen wir entnehmen können, dass es eine besondere, tolle neue Erfahrung war, die viel Spaß gemacht hat.
Nach all der Arbeit und nach Sichtung der ersten Takes mussten wir natürlich überlegen, wo die Premiere stattfinden sollte. Unserer Regisseur sagte: "Premiere im Kino wär schon cool!" Deswegen fand unsere Fimpremiere im Kino statt! Ohne den übermäßigen Einsatz aller Mitwirkenden wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen. Vielen Dank! Während unsere Außendrehs haben uns Vechtaer Kinder immer wieder gefragt: "Wann kommt der Film ins Kino?" Auch wenn ich die Kinder leider hier nicht sehe - heute ist es soweit! Und jetzt: Viel Vergnügen und FILM AB! Rede anlässlich der Filmpremiere im Schauburg Kino am 01.06.2011 - Judith Peltz
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