Qualitätsmanagement und Forschungskultur
Zwischen Ranking, Rating und Evaluation
Die Qualitätssicherung in der Forschung nimmt nicht zuletzt in der aktuellen Debatte um Exzellenz und Clusterbildung sowie durch die Möglichkeiten zur Bewertung von Forschungsleistungen mit Hilfe von Evaluationen, Ratings und Rankings einen immer höheren Stellenwert ein. Als Indikatoren werden meist qualitative Werte wie Reputation oder quantitative Daten wie Drittmittel-Aufkommen, Menge und Umfang von Publikationen, Anzahl von Promotionen und Häufigkeit von Erfindungen/Patenten herangezogen. Die angewandten Verfahren unterscheiden sich aber sehr stark.
Im Hochschulentwicklungsplan 2010-2015 HEP hat sich die Universität zu Leistungsindikatoren in der Forschung und einem konsequenten Qualitätsmanagement auf allen Ebenen bekannt. Die profilbildenden Forschungsschwerpunkte wurden benannt. Im Jahr 2011 soll als "Vorstudie" einer Institutionellen Evaluation eine Evaluation der Strukturen in Forschungsmanagement und Nachwuchsförderung erfolgen.
Bereits 2008 wurde an der Universität Vechta ein Qualitätsmanagement eingeführt. "UniQue" steht für den spezifischen Weg der Universität Vechta - es geht um ein Universitäres Qualitätsmanagement, das zum Standort, zum Studienangebot und zu der Region passt und insofern einzigartig (engl. unique) ist.
Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen - WKN
In Niedersachsen ist die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen (WKN) mit der regelmäßigen Evaluation der Forschungsleistungen der Landesuniversitäten beauftragt worden:
Grundlagen, Ziele und Aufgabenspektrum (2007)
Bewertung des Evaluationsverfahrens (2006)
An der Universität Vechta sind in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Fächer von der WKN evaluiert worden, zu einigen älteren Verfahren wurden bereits wiederum Zwischenberichte erstellt. Die Evaluationsberichte stehen nachfolgend sowie auf den Seiten der WKN zum Download bereit. Die Zwischenberichte sind dagegen nicht öffentlich.
Berufswissenschaften der Lehrerbildung (2002)
Musikwissenschaften/Musikpädagogik (2007)
Politikwissenschaft/Soziologie (2004)
Sozusagen als Bilanz der langjährigen Forschungsevaluationsverfahren hat die WKN Ende 2009 eine übergreifende Publikation zur Diskussion der den Evaluationen zugrunde gelegten fachspezifischen Kriterien und Indikatoren für Forschungsqualität vorgelegt: "Von Agrar- bis Wirtschaftswissenschaften: Alle über einen Leisten?"
Arbeitsgruppen der WKN haben bislang fächerübergreifende Perspektiven für die Forschung in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie in den Kultur- und Geisteswissenschaften entwickelt. Die WKN-Arbeitsgruppen verfolgen nicht das Ziel, Forschungsqualität erneut zu bewerten, sondern kontextsensibel standortübergreifende Fragen zu formulieren, Perspektiven zu eröffnen und Potentiale aufzuzeigen. Auch in den Sozial-, Erziehungs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sollen diese Entwicklungsmöglichkeiten über Einzelfächer hinaus nun ermöglicht werden. Dazu hat die WKN eine Arbeitsgruppe für dieses Fächerspektrum eingesetzt. Folgende Fächer werden zum Aufgabenbereich der Arbeitsgruppe gezählt: Soziologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaften, Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre. Ergebnisbericht (2011)
Forschungsleistungen der Universität Vechta in Zahlen
Übersichten über Forschungsleistungen der Universität Vechta in Zahlen (Statistiken) finden Sie hier.
Im internen Bereich stehen weitere Daten und Materialien zur Verfügung (Anmeldung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich). Login
Weitere Evaluationsverfahren, Rankings und Ratings
Wissenschaftsrat WR
Forschungsrating
Auf Bundesebene hat der Wissenschaftsrat (WR) eine modellhafte Pilotstudie zum Instrument des Forschungsrating in den Fächern Soziologie und Chemie durchgeführt. Dieses, vorrangig qualitativ ausgerichtete Verfahren wird weiter entwickelt und soll in einer weiteren Phase auch auf die Geisteswissenschaften angewendet werden. Hierfür wurden mit einigen Fächern angemessene Leistungs-Indikatoren diskutiert. Im Juni 2010 wurden entsprechende Empfehlungen zur vergleichenden Forschungsbewertung in den Geisteswissenschaften veröffentlicht. Ein Rating soll nun in den Fächern Amerikanistik/Anglistik durchgeführt werden. Nach einer kontroversen Debatte wird auf ein geplantes Ratingverfahren im Fach Geschichte zunächst verzichtet. Bereits 2006 hatte der WR Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geisteswissenschaften in Deutschland veröffentlicht.
Die vorliegende Bewertungsmatrix Soziologie bietet Einblick in mögliche Indikatoren und Bewertungsmaßstäbe. Die GESIS - Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen hat im Rahmen einer Pilotstudie das Verfahren der Publikationsanalyse modellhaft untersucht.
Diversifizierung und Differenzierung der Hochschullandschaft
Der Wissenschaftsrat betont die Notwendigkeit einer funktionalen Differenzierung der deutschen Hochschullandschaft in mehreren Dimensionen. Notwendig erscheint es seiner Meinung nach zugleich, im Universitätssektor und im politischen Diskurs eine Alternative zum herrschenden Exzellenzparadigma stark zu machen. Hier müsse das Verhältnis von Ausnahme und Regelfall zurechtgerückt werden. Eine einseitige Ausrichtung einer überwiegenden Zahl von Universitäten auf Forschungsexzellenz, die "besten Köpfe", den Wettbewerb mit internationalen Spitzenuniversitäten sowie auf das Modell der "World Class University" sei unrealistisch und führe zu Verzerrungen. Dabei stellt der Wissenschaftsrat klar, dass eine Diversifizierung der Schwerpunkte und strategischen Ausrichtungen von Universitäten keine Aufspaltung in Forschungs- und Lehruniversitäten bedeute. Die grundsätzliche typologische Unterscheidung von Universitäten und Fachhochschulen, die die deutsche Hochschullandschaft prägt, wird gleichwohl weiterhin als sinnvoll angesehen. Allerdings lege die Typenzuordnung inzwischen die einzelne Institution weniger fest, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Ein restriktives Verständnis der Typenzuordnung sei nicht mehr zeitgemäß und verhindere die Weiterentwicklung einzelner Hochschulen, ganzer Hochschultypen sowie des Hochschulsystems insgesamt. Organisierte Kooperationen und Verbindungen etablierter Hochschultypen können einen geeigneten Schritt darstellen, der die Neuformierung distinkter Typen stimuliert. In eine solche Entwicklungsperspektive sei - wie in der Vergangenheit auch - eine differenzierte Handhabung des Promotionsrechts einbezogen. Der Wissenschaftsrat regt an, die Binnendifferenzierung der Hochschultypen durch die Einrichtung einiger Colleges und Professional Schools im staatlichen Hochschulbereich zu erweitern. Entsprechende Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen wurden im November 2010 vorgelegt.
Qualitätssicherung bei Promotionsverfahren
Im Jahr 2009 hat der WR erstmals Empfehlungen zur Vergabe des Promotionsrechts an nicht-staatliche Hochschulen vorgelegt. In seinen Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem und in den Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen - beide aus dem Jahr 2010 - hat er sich
für eine Ausweitung kooperativer Promotionsprogramme von Universitäten und Fachhochschulen ausgesprochen. Die Universität Vechta hat mit der seit Februar 2010 bestehenden Möglichkeit zu kooperativen Promotionsverfahren auf Basis von Kooperationsverträgen mit Fachhochschulen bereits mehrere gemeinsame Promotionskollegs erfolgreich ins Leben gerufen.
Anhand prominenter Beispiele ist 2011 die Praxis der Promotion in Deutschland unter dem spezifischen Aspekt der Qualitätssicherung zum Gegenstand öffentlicher Debatten geworden. Diese haben auch Aspekte berührt, die über Einzelfälle hinausgehen. Es sind Fragen aufgeworfen worden, die die Verfahren der Promotion, insbesondere die Qualitätssicherung im Allgemeinen, betreffen. Im Verlauf der Debatte wurden zudem grundlegende Zweifel an Qualität und Umfang des deutschen Promotionswesens geäußert. Der Wissenschaftsrat sah sich daher in der Pflicht, auf die öffentliche Diskussion durch eine klärende Stellungnahme zu reagieren, seinerseits kritische Punkte in der deutschen Promotionspraxis anzusprechen und Vorschläge zur Verbesserung vorzulegen. Ein entsprechendes Positionspapier zur Qualitätssicherung bei Promotionen und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurden vom Wissenschaftsrat im November 2011 veröffentlicht.
Der Wissenschaftsrat fordert darin die Stärkung kollegialer Verantwortung bei der Betreuung von Promotionen (Betreuungsteams statt Einzelbetreuung) sowie die Einführung verbindlicher schriftlicher Betreuungsvereinbarungen. Weiterhin wird eine besssere Einbeziehung externer Promovierender gefordert. Eine von der Betreuung unabhängige Begutachtung sollte Standard werden. Der WR sieht in den Angeboten zur strukturierten Promotion v.a. ein Instrument der Vermittlung fachlicher wie außerfachlicher Kenntnisse, allerdings stellt er sich betont kritisch zu Programmen, bei denen vorrangig der Kompetenzerwerb im Mittelpunkt stehe. Hauptbestandteil der Promotion müsse die eigenständige wissenschaftliche Leistung (Erkenntnisgewinn) bleiben. Die Promotion als dritte Studienphase bzw. dritten Zyklus in der Ausbildung nach der Bologna-Reform sieht der WR daher kritisch. Der WR mahnt aber weiterhin die vergleichsweise zu langen Promotionsdauern in Deutschland an.
An der Universität Vechta sind seit 2010 schriftliche Promotionsvereinbarungen, Möglichkeiten zu kooperativer Betreuung sowie verbindliche Exposésmit Arbeits-/Zeitplänen schon bei der Zulassung zur Promotion Standard.
Leistungsmessung und Leistungsdifferenzierung in der Forschung
Der Wissenschaftsrat hat seit den 1980er Jahren mehrfach und in unterschiedlichen Kontexten zu Fragen der Leistungsdifferenzierung, des Wettbewerbs sowie zu Verfahren der Bewertung und Steuerung von Forschungsleistung Stellung genommen.
Inzwischen nimmt der Wissenschaftsrat wahr, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Verfahren der Leistungsmessung und die Formen der Mittelallokation mit Unmut betrachten und hinsichtlich des Nutzens dieser Verfahren für die Wissenschaft zunehmend Skepsis äußern. Der Wissenschaftsrat erachtet es daher als notwendig, diese Debatten aufzugreifen, die Chancen und Risiken der jüngeren Entwicklungen herauszuarbeiten und Empfehlungen zu geben, die dem übergeordneten Ziel der Ermöglichung guter Forschung gerecht werden können. In seinen Empfehlungen zur Bewertung und Steuerung von Forschungsleistungen vom November 2011 fordert der WR eine wissenschaftsinterne Verständigung über Qualitätsstandards als Basis der Indikatorenentwicklung unter Anwendung eines breiten Leistungsbegriffs und Einbeziehung von Dienstleistungen für die Forschung. Weiterhin fordert er die Berücksichtigung des abnehmenden Grenznutzens bei der Bewertung von quantitativen Indikatoren wie der Höhe der Drittmitteleinwerbungen und Promotionszahlen. Erforderlich sei vor allem eine Interpretation von Indikatoren durch qualifizierte peers, um fachbezogene Einordnung unter Berücksichtigung der spezifischen Funktion und methodischen Konstruktion des Indikators zu gewährleisten. Gutachtergruppen sowie Adressaten der Begutachtung sollten durch Interpretationshilfen unterstützt werden. Insgesamt soll eine Bewertung von einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor allem auf Basis qualitätsorientierter Verfahren erfolgen.
Hochschulrektorenkonferenz HRK
Eine Initiative des Hochschulrektorenkonferenz (HRK) widmete sich bis 2010 ebenfalls der Qualitätssicherung und dem Qualitätsmanagment. Aus dem Projekt ist eine Studie hervorgegangen, die sich mit der Arbeits- und Wirkungsweise von Qualitätssicherungssystemen an Hochschulen befasst.
Centrum für Hochschulentwicklung CHE
Das der Bertelsmann-Stiftung nahestehende Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) veröffentlicht regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung ZEIT ein vergleichendes Forschungsranking deutscher Hochschulen (vgl. auch das CHE-Hochschulranking für den Bereich Lehre/Studium). Es werden aber nur ausgewählte Forschungsbereiche evaluiert. Die Methodik berücksichtigt neben den Indikatoren Drittmittel und Promotionen auch fächerspezifisch Publikationen und Zitationen. Als zusätzliche Information wird die durch eine Professorenbefragung ermittelte Reputation der Universitäten in den untersuchten Fachgebieten dargestellt. Forschungsranking 2009
Bei der Fortführung in 2011 wurde das CHE-Forschungsranking mit anderen Leistungsindikatoren zusammengefasst herausgegeben: Vielfältige Exzellenz 2011: Forschung - Anwendungsbezug - Internationalität - Studierendenorientierung im CHE Ranking. Die Methodik in der Erhebung von Forschungsleistungen ist aber grundsätzlich gleichgeblieben.
Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG
Das regelmäßige DFG-Förderranking informiert über die Beteiligungen deutscher Wissenschaftseinrichtungen an den Förderprogrammen der DFG wie auch weiterer nationaler und internationaler Forschungsförderinstitutionen. Insgesamt decken die verwendeten drittmittelbasierten Kennzahlen zusammen genommen knapp 90 Prozent der von öffentlichen Stellen für Forschung in Form von Drittmitteln gewährten Förderung ab. Förderranking 2009
Mit Ihren Empfehlungen zur Sicherung guter wisenschaftlicher Praxis hat die DFG zudem allgemeingültige Standards zur Qualität von Forschung gesetzt.
Die DFG fördert auch das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung IFQ, das sich mit Methoden der Qualitätsmessung in der Forschung befasst, z.B. der Bibliometrie.
Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF
Das BMBF veröffentlichte im Mai 2010 den aktuellen Bundesbericht Forschung und Innovation (BuFI 2010) sowie im Jahr 2008 erstmals auch den Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN 2008). Eine Übersicht zu statistischen Angaben über die Bundesförderung wird hier geboten: Bildung und Forschung in Zahlen 2011
Kultusministerkonferenz KMK
Auch die KMK sieht als ihre Kernaufgaben Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Hochschulbereich. Basierend auf dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 03.03.2006 zur Qualitätssicherung in der Hochschulforschung wurden die bestehenden Instrumente der Qualitätsfeststellung in der Hochschulforschung - Erfahrungen der Länder - erfasst (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.05.2011)
Statistiken zur Hochschulfinanzierung
Das Statistische Bundesamt erstellt jährlich einen Bericht zu Kennzahlen im Hochschulbereich. Von besonderem Interesse sind die monetären Kennzahlen, die nach Hochschultypen, Bundesländern und Fächergruppen exakte Vergleichbarkeit zwischen Grundausstattung und Drittmitteleinwerbungen (bis hin zur Einheit je Professur bzw. wiss. Stelle) ermöglichen. Bericht 2010 zum Download
Einen allgemeinen statistischen Überblick bietet die Broschüre Hochschulen im Überblick (2010)
Leistungsbezogene Mittelvergabe
Das Land Niedersachsen vergibt einen Teil der Haushaltsausstattung der Hochschulen im Rahmen einer leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM). Wichtige Indikatoren des sog. "Landesschlüssels" im Bereich Studium sind die Zahlen der Absolvent/innen, im Bereich der Forschung die Höhe der Drittmittel und die Anzahl der erfolgreichen Promotionsverfahren.
Im Rahmen von Zielvereinbarungen verpflichten sich die Hochschulen Ihre Leistungsfähigkeit hinsichtlich dieser Indikatoren weiter zu entwickeln und ihr Profil zu schärfen. Zielvereinbarung 2010-12 Universität Vechta
In internen Zielvereinbarungen mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (z.B. im Rahmen der W-Besoldung) sowie mit Instituten und Zentren der Universität werden diese Ziele aufgenommen und konkretisiert.
Die Leistungen in Forschung und Lehre bilden ebenfalls wiederum die Basis für die leistungsbezogene Vergabe der Kernmittel der Universität Vechta, die den Lehrenden und Forschenden neben der Grundausstattung zugewiesen werden. Die verwendeten Indikatoren und Kategorien spiegeln großteils auch die Indikatoren der leistungsbezogenen Mittelvergabe wider. Das Verfahren wird regelmäßig überprüft und angepasst. Die Erfassung der Daten erfolgt online über ein leistungsfähiges HIS-Tool.
Leistungsbezogene Mittelvergabe für Forschungsleistungen (interner Bereich, Login erforderlich)
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