Forschungsprojekt "Männlichkeitsbilder in unterschiedlichen Kulturen"
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Stereotype eines Mannes und deren Auswirkungen
Bis in das 20. Jahrhundert hinein befand sich Sozialisation - weiblich wie männlich - auf gesichertem Boden: Trennung der Erwerbsarbeit von der Hausarbeit bestimmte Orientierung, Prinzipien und Verhalten im Sozialisationsprozess: Männer wurden für ein Leben „außer" Haus erzogen, Frauen für ein Leben „im" Haus. „Außer" Haus für Männer bedeutete: für die Versorgung der Familie zuständig zu sein und sich durch Kontrolle des Selbst, Eigenständigkeit auszuzeichnen, Situationen für eigene Ziele rational zu nutzen. Kennzeichen hierfür ist die sich in der traditionelle Symbolik Widerspiegelung von Männlichkeit - ein Mann muss in seinem Leben einen Sohn zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen/ein Buch schreiben.
Männliche Sozialisation entspricht bis heute dem patriarchalen System. Dieses hat Auswirkungen, bei allen gegenwärtigen Veränderungen im Lebenslauf, auf die Normalbiografie, die sich am männlichen Lebenslauf orientiert. Wichtiges Zuschreibungskriterium ist die Erwerbsarbeit (Vollbeschäftigung auf Dauer). Bei rollendefinierter Abwesenheit und Familiendistanz der Väter haben es Jungen von klein auf schwer, im familiären Umfeld ihre männliche Geschlechterrollenidentität zu finden. Unterstützt/erschwert wird dieser Prozess durch die ersten Schuljahre. Jungen sind daher auf die Außenorientierung angewiesen, die gesellschaftlich bestimmt ist und erstrebenswert erscheint und ein genaues Männlichkeitsbild vorgibt. „Wahre Männlichkeit scheint sich fast immer vom männlichen Körper abzuleiten - einem männlichen Körper innewohnend oder etwas über einen männlichen Körper ausdrückend", so Connell.
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Was ist Männlichkeit bzw. Männlichkeitsforschung?
Diese Überzeugungen sind ein strategischer Teil der modernen Geschlechterideologie, zumindest in der englischsprachigen Welt. Deshalb ist es die vordringlichste Aufgabe einer sozialwissenschaftlichen Analyse, die Körper von Männern und deren Beziehungen zur Männlichkeit zu verstehen.
Zwei gegensätzliche Konzepte haben in den letzten Jahrzehnten die Diskussion darüber bestimmt. Das erste Konzept übersetzt im Prinzip die herrschende Ideologie in die Sprache der Biologie und hält den Körper für eine natürliche Maschine, welche die Geschlechtsunterschiede produziert - aufgrund der Unterschiede hinsichtlich der Gene, der Hormone oder der unterschiedlichen Aufgaben bei der Fortpflanzung.
Der andere Ansatz, vor allem in den Human- und Sozialwissenschaften zu finden, hält den Körper mehr oder weniger für eine neutrale Oberfläche oder eine Landschaft, in die ein sozialer Symbolismus eingeprägt wird. Betrachtet man diese beiden Ansätze als eine neue Auflage der Debatte "Natur vs. Erziehung" ,dann haben andere eine Art Kompromiss dazu vorgeschlagen: Sowohl Biologie als auch soziale Einflüsse wirken beim Entstehen der Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern zusammen. (Connell, Der gemachte Mann, S. 65-66)
Hegemoniale Maskulinität ist der Kern des männlichen Habitus, ist das Erzeugungsprinzip eines vom männlichen Habitus generierten doing gender bzw. ‘doing masculinity‘, Erzeugungsprinzip und nicht die Praxis selbst. Der männliche Habitus kann sich folglich in einer Vielzahl von Formen äußern, als Generalverantwortlichkeit für Wohl und Wehe der Familie (Familienoberhaupt) ebenso wie in physischer Gewalt, in Formen prosozialen Handelns (Beschützer) wie in Hypermaskulinität (Rambo, Macho). Hegemoniale Maskulinität ist zudem der Maßstab, der an das Handeln eines Mannes von anderen Männern herangetragen wird (und oft auch von Frauen). Wer sich dem Habitus zu entziehen versucht, wird von den anderen an dessen Gültigkeit erinnert, und sei es nur derart, daß ein verheirateter Arbeiter, der regelmäßig ohne Pausenbrote zur Arbeit kommt, von seinen Kollegen gefragt wird, ob seine Frau ihm denn keine Brote schmiere. Massivere Formen der ‘Erinnerung‘ sind Etikettierungen wie ‘Weichei‘ oder ‘Männerheulverein‘: Männer, die als ‘bewegte‘ Männer den männlichen Habitus offensiv angreifen. Also nicht nur die Erzeugung des eigenen, sondern auch die Bewertung des fremden Handelns geschieht im Rahmen der vom Habitus vorgesehenen Parameter.
Die Geistes- und Sozialwissenschaften haben in den letzten Jahrzehnten die Vielfältigkeit von Männlichkeiten herausgestellt. Neben der bisher stärker beachteten Betrachtung hegemonialer Männlichkeit von außen soll deren Innenbetrachtung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Was heißt das? Um alle Faktoren, die das soziale Geschlecht beeinflussen, sichtbar zu machen, können Kulturvergleiche angestellt werden. Dieses Instrumentarium hilft Geschlechterverhältnisse, je nach Geschichte, Religion, ökonomischer Situation, in den unterschiedlichen Ländern und Regionen zu analysieren und in ihren verschiedenen Ausprägungen zu erkennen.
Kultur ist nicht territorial begrenzbar und Kultur ist nicht homogen. Ihre Beschaffenheit ist von Kontextfaktoren abhängig. Eine Kultur existiert nicht für sich, sondern in einer gesellschaftlichen Einbettung und als Differenz zu anderen Kulturen leben. Sie macht nur im Umfeld und mit anderen zusammen einen Sinn. Erst der Konsens und die Konfrontation machen Kultur lebendig. Kulturen sind auch sich selbst erhaltende Systeme, die Regelverstöße ahnden.
Die Entscheidungsfreiheit liegt, wenn diese Bezugsgrößen bewusst sind, beim Individuum.
Solche Bezugsgrößen (Wertesysteme, Symbolsysteme, Handlungsanweisungen, etc.) werden soziokulturelle Codes genannt. Interkulturelle Situationen zeichnen sich durch unterschiedliche Verwendung solcher Codes aus. Kultur ist weder territorial begrenzt noch einheitlich innerhalb ihrer selbst. Sie entsteht durch die Handlungen der Einzelnen, die sich auf soziokulturelle Codes beziehen.
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Forschungshypothesen
Einheimische und Ausländer, Migranten, Jüngere und Ältere, Frauen und Männer gehören jeweils zu verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Wertehaltungen, Normen und Überzeugungen. Das Aufeinandertreffen dieser oftmals kulturellen Verschiedenheiten birgt in sich ein bestimmtes Konfliktpotenzial, auch weil oft die eigene Kultur als Maßstab der fremden Kultur verwendet wird. Dabei ist man sich der kulturellen Hintergründe und Prägungen meist nicht bewusst. Besonders schwierig erscheint der Umgang und die Einschätzung von Geschlechterbildern in den einzelnen Kulturen. Tradition, Erziehung und Sozialisation tragen dazu bei, dass Rollenbilder und Stereotype in Bezug auf Geschlecht erhalten bleiben.
- Die unterschiedlichen Rollenverteilungen und -erwartungen resultieren aus den sozialstrukturellen und soziokulturellen Gegebenheiten einer Gesellschaft. Sie variieren von Gesellschaft zu Gesellschaft.
- Geschlechterrollen, hier besonders männliche Geschlechterrollen, produzieren ein bestimmtes Verhalten.
- Geschlechtsspezifische Rollen werden angenommen bzw. dargestellt, indem bestimmte Fähigkeiten und Ressourcen erlernt werden.
- Die Funktion von Geschlechterrollen besteht darin, dass sie Aktivitäten erleichtern, die typischerweise von einem Geschlecht ausgeführt werden.
- Geschlechterrollen gelangen unter Berücksichtigung kultureller Normen.
- Männer suchen Partnerinnen, deren Kriterien dem eigenen Rollensystem entsprechen. Dabei spielt die Herkunftskultur eine große Rolle.
- Stand des Forschungsprojektes
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Stand des Forschungsprojektes
Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden Vorarbeiten zum Forschungsprojekt gemacht. Ein Antrag bei der Kommission für Forschung und Nachwuchsförderung der Hochschule Vechta (KFN) ist gestellt. Vom 11.-12.06.2010 organisieren PD Dr. Rita Stein-Redent und Prof. Dr. Corinna Onnen-Isemann einen Workshop zum Thema "Männlichkeitsbilder in verschiedenen Kulturen" an der Hochschule Vechta. Gastwissenschaftlerinnen aus Moskau, St. Petersburg, Wien und Münster werden ihre Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorstellen und diskutieren. Der Workshop ist hochschulöffentlich. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen am Workshop teilzunehmen. Weitere Informationen werden in Kürze bekannt gegeben.

