Soziologie - Profil

Zum Einstieg - Lebenschancen

Das katholische Arbeitermädchen vom Lande symbolisierte noch zu Beginn der 60er Jahre eine junge Frau, die nach Beendigung der Volksschule in der Regel ihre von der Gesellschaft erwartete Rolle als liebevolle Ehefrau und Mutter ausübte. Im Unterschied zu den 60er Jahren sind die meisten jungen Frauen heute besser gebildet und ausgebildet. Sie wollen auch heute einen Partner finden und eine Familie gründen, aber viele möchten zudem eigene Akzente setzen, Berufserfahrungen sammeln und den eigenen Horizont erweitern. Auch in der Gegenwart gibt es (junge) Menschen, die ihr Leben nur sehr gering individuell gestalten können. Stellvertretend für diese in den letzten Jahren zunehmende Minderheit in unserer Gesellschaft steht der muslimische Migrantenjunge aus einem städtischen Ballungsgebiet. Das Bild von Menschen, die mehr Lebensoptionen haben als andere, verdeutlicht nachdrücklich, womit wir uns in Vechta schwerpunktmäßig beschäftigen.

Das Studium

Soziologie setzt sich mit den gesellschaftlichen Voraussetzungen eines individuellen Lebens auseinander und fragt nach Veränderungen.

Welche privaten, beruflichen und sozialen Perspektiven haben Menschen in der heutigen Gesellschaft undwelche Gründe gibt es für eine unterschiedliche Verteilung von gesellschaftlichen Gütern. Dieses drückt sich in verschiedenen Bereichen aus – in Vechta befassen wir uns mit Erziehung und Bildungschancen. Wir untersuchen den Einfluss sozialer Milieus und welchen Einfluss Erziehungsinstitutionen - Kitas, Kigas, Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen - auf die Vermittlung von Werten, Normen, Fähigkeiten und Fertigkeiten haben. Wir fragen nach, warum Menschen Schwierigkeiten haben oder sogar ausgeschlossen sind vom Zugang zu Bildung und folglich kaum Chancen haben, ein eigenständiges und selbst verantwortetes Leben zu führen. Welche Chancen haben die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland? Wie haben sich gesellschaftliche Veränderungsprozesse insbesondere in der Lebensgestaltung vollzogen – von Kindern, von Männern und Frauen? Wie hat sich Familie entwickelt?

Nicht nur unserer Gesellschaft interessiert uns. Wir betrachten verschiedene Weltregionen, untersuchen aber vor allem zwei Gesellschaften, die Studierende nicht nur in Lehrveranstaltungen, sondern auch direkt vor Ort kennenlernen können. Seit 2005 haben Studierende die Möglichkeit, ein Semester an der brasilianischen Partneruniversität der Universität Vechta, Universidade Federal da Paraíba, zu absolvieren. Interessierte Studierende werden durch einen intensiven einjährigen Sprach- und Landeskundekurs oder einen zweijährigen Kurs auf ein Auslandssemester an der brasilianischen Partnerhochschule vorbereitet. Dieses Auslandssemester kann von Studierenden aller Fachrichtungen der Universität Vechta absolviert werden.

 

Lehrende

Prof. Dr. Corinna Onnen

Dr. Stephan Sandkötter

Vera Bollmann, M.A.