Aktuelle Probleme moderner Gesellschaften - Contemporary Problems of modern Societies

Herausgegeben von Peter Nitschke und Corinna Onnen-Isemann

 

Die Sozialwissenschaften stehen weltweit vor dem Hintergrund der Globalisierung in einem Prozess der Umorientierung und Erneuerung der Fragestellungen für die Forschung. Vieles von dem, was im Zeitalter des Ost-West-Konflikts sozialwissenschaftlich für relevant gehalten wurde, weicht mittlerweile neuen Perspektiven und Wahrnehmungsfeldern, die sowohl methodologisch wie auch empirisch mitsamt modifizierter Theorien aufgearbeitet werden müssen. Es versteht sich, dass ein recht kleines Institut wie das an der Universität Vechta angesiedelte Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) nur einen Bruchteil der Fragestellungen behandeln kann, die in Deutschland ansonsten mit sehr vielen Ausdifferenzierungen in den Sozialwissenschaften, hier speziell innerhalb der Teildisziplinen Politikwissenschaft und Soziologie, untersucht werden. Dennoch greift das ISP einige zentrale Fragestellungen für die eigenen Forschungen in den nächsten Jahren auf und versucht sie in der interdisziplinären Verschmelzung von philosophischen, politikwissenschaftlichen und soziologischen Perspektiven innovativ zu erörtern. Hierzu ist eigens eine Reihe für das ISP in Zusammenarbeit mit dem Verlag Peter Lang (Frankfurt a.M.) gegründet worden, in der beginnend mit dem Jahr 2010 jährlich zwei bis drei Publikationen in Form von Monografien oder Sammelbänden erscheinen werden. Auch Dissertationen von Nachwuchswissenschaftler(inne)n werden in dieser Reihe präsentiert. Den Auftakt bildet hier die Dissertation von Astrid Freudenstein (Bd.3 der Reihe) zum Thema Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler, eine Untersuchung unter Genderaspekten zur Qualität der Wahlkampberichterstattung im Wahljahr 2005 in der medialen Konfrontation zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder.

Die Dissertation zeigt symbolisch an, worum es bei der sozialwissenschaftlichen Forschung am ISP geht, nämlich die Erörterung von strukturellen Problemfeldern und Effekten moderner Gesellschaften in ihren pluralistischen, demokratischen Erscheinungsbildern. Hierzu geht die Focussierung der Forschungsfragen im Einzelnen auf folgende Leitbilder:

I. Die Hinterfragung der Struktur moderner Gesellschaften in ihrer sozialen, politischen und ökonomischen Disposition. Das beinhaltet auch kritische Erörterungen darüber, was eigentlich als modern bezeichnet werden kann und was nicht.

II. Die Entgrenzung von Staatlichkeit ist das Kennzeichen der Globalisierung schlechthin. Dies führt zu neuen Formen von intergouvernementalen Handlungen und Vernetzungsstrategien zwischen nationalen Regierungen und Gesellschaften. In Form von Regionalanalysen werden hier im ISP sowohl empirisch wie auch theoretisch diese Erscheinungsformen analysiert, vorrangig an den Arbeitsfeldern der Europäischen Strukturpolitik, mitunter aber auch im Bereich interkontinentaler Problemfelder.

III. Mit der Entgrenzung staatlicher Aufgaben und Leistungen fällt die Thematik der weltumspannenden Migrationsbewegungen zusammen, die hier in Form der Integrationspotenziale moderner Gesellschaften, insbesondere konkret am Beispiel regionaler Analysen (hier spezifisch der Nordwesten Niedersachsens mit seiner hohen Population von Spätaussiedlerfamilien) in empirischen Projekten untersucht wird. Dies in enger Zusammenarbeit mit regionalen und lokalen Institutionen (etwa der Stadt Cloppenburg oder dem Landkreis Vechta).

IV. Aspekte von Gender-Mainstreaming spielen hierbei eine besondere Rolle in der Forschungsperspektive, werden doch geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen verstärkt unter Diversity-Phänomenen diskutiert. Auch hierfür sind konkrete empirische, regional ausgerichtete Projekte in der Bearbeitung.

V. Die Vergleichende Perspektive gehört zu den unter I-IV genannten Arbeitspunkten elementar dazu, wobei das ISP hier insbesondere das Augenmerk auf interkontinentale Ländervergleichsstudien richtet (etwa am Beispiel der Sozialstrukturanalyse zwischen Brasilien und Deutschland oder der EU und Russland).

VI. Schließlich bildet eine normativ ausgerichtete Demokratietheorie das modellhafte Rückgrat der o.g. Forschungsfelder, indem von hier aus epistemologische Leitbilder für die einzelnen empirischen Forschungsfragen vermittelt und durch die dort erzielten Arbeitsergebnisse korrelativ für die Theorie hinsichtlich einer Modifizierung der Inhalte und Interpretamente eingebracht werden können. Insofern versteht sich die sozialwissenschaftliche Forschung am ISP auch ganz grundsätzlich als Beitrag zur allgemeinen Politischen Bildung in Deutschland.

ISSN 1867-609X, Peter Lang Verlagsgruppe