Aktuelles aus der Sektion Soziale Arbeit

Fachtagung: Geschlossene Unterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe - Befunde und Forschungsperspektiven zu einem strittigen Modell am Beispiel der GITW Lohne

Am 23. März 2012 fand eine vom Land Niedersachsen geförderte Fachtagung zu ersten Ergebnissen der Begleitforschung zur GITW Lohne statt. Über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis kamen hierzu in der Aula der Universität Vechta zusammen. Neben der Forscherinnen-Gruppe unter der Leitung von Prof.'in Dr. Nina Oelkers, Professorin für Soziale Arbeit an der Universität Vechta (Präsentation erster Ergebnisse), und den Vertretern der Einrichtung GITW (Geschlossene intensivtherapeutische Wohngruppe; Präsentation Kurzvorstellung) beleuchteten auch kritische Kommentatorinnen und Kommentatoren aus unterschiedlichen Perspektiven das Thema.

Prof.'in Dr. Gabriele Nellissen, Professorin für Recht der sozialen Dienstleistungen an der Universität Vechta, nahm die rechtlichen Aspekte des Themas in den Blick und ging auf Problematiken in diesem Bereich ein (Präsentation Kommentar). Prof. Dr. Hans-Joachim Plewig (Leuphana Universität Lüneburg), betrachtete das Thema aus den Perspektiven von Devianzpädagogik und Justiz. Plewig fokussierte unter anderem die Hilfeplanung und betonte die Wichtigkeit Integrierter Hilfen. Dr. Hanna Permien vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) forscht selbst seit Jahren zum Thema Geschlossene Unterbringung und stellte unter anderem die Frage, ob diese Form der Hilfe wieder auf dem Vormarsch sei (Präsentation Fachvortrag).

Die auf der Fachtagung vorgestellten Zwischenergebnisse der Begleitforschung lassen sich in folgende 9 Befunde zusammenfassen:

  1. Die Einrichtung benötigte ein Jahr, um sich in der Jugendhilfelandschaft zu etablieren und sich auf der Team-Ebene zu konsolidieren.
  2. Die Belastung durch mediale Berichterstattung und institutionelle Rahmenbedingungen wird von den MitarbeiterInnen höher bewertet als die durch die direkte pädagogische Arbeit mit den Jungen.
  3. Vernetzung, Information und Anerkennung sind wichtige Elemente für die Arbeitszufriedenheit im GITW-Team.
  4. Nach anfänglicher Ablehnung und Eingewöhnung scheinen die Jungen in der GITW die Beziehungsangebote annehmen zu können.
  5. Einige Jungen sind auch für die GITW nicht haltbar.
  6. Die Jungen zeigen sich größtenteils beschulbar und nutzen das Stufensystem - auch wenn sie es "scheiße" finden - um mehr Freiheiten zu erreichen.
  7. "Raus dürfen" scheint für die Jungen wichtiger zu sein, als weg zulaufen.
  8. Erfolgreiche Betreuungsverläufe werden durch fehlende Anschlussmaßnahmen gefährdet.
  9. Positive Effekte werden durch die Menschen erreicht. Ob die "Mauer" dafür notwendig ist, bleibt zu diskutieren.

Die Tagung machte einmal mehr deutlich, wie hoch umstritten das Thema Geschlossene Unterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe ist. Umso wichtiger erscheint es, für Beschwerdemöglichkeiten außerhalb solcher geschlossener Systeme - aber durchaus auch für offene Jugenhilfeangebote - zu sorgen. Mehrfach wurde daher die Einrichtung regionaler, unabhängiger Ombudsstellen als Möglichkeit benannt.

Fachtagung:

Geschlossene Unterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe -

Befunde und Forschungsperspektiven zu einem strittigen Modell am Beispiel der GITW Lohne

Seit Mai 2010 besteht die Geschlossene Intensivtherapeutische Wohngruppe (GITW) des Caritas-Sozialwerks St. Elisabeth in Lohne. Sie richtet sich an Jungen zwischen 10 und 14 Jahren, die hoch delinquentes und/ oder dissoziales Verhalten zeigen. Die Einrichtung hat Modellcharakter in Niedersachsen und wird von der Universität Vechta für drei Jahre forscherisch begleitet.

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts "Geschlossene Unterbringung strafunmündiger Kinder und Jugendlicher in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe" möchten wir Sie herzlich einladen zu einer ersten Ergebnispräsentation am

Freitag, den 23.03.2012

von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr

an der Universität Vechta

Auf der vom Land Niedersachsen geförderten Fachtagung sollen Zwischenergebnisse der Begleitforschung vorgestellt, aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch kommentiert und gemeinsam diskutiert werden.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Um eine Anmeldung per E-Mail unter annika.gassmoeller(at)uni-vechta.de wird gebeten.

Weitere Informationen entnehmen Sie unserem Flyer. Antworten auf konkrete Fragen erhalten Sie ebenfalls unter der angegebenen E-Mail-Adresse oder bei Annika Gaßmöller unter der Telefonnummer 04441-15 639.

Wir freuen uns auf Sie.

Prof.'in Dr. Nina Oelkers, Prof.'in Dr. Gabriele Nellissen, Nadine Feldhaus & Annika Gaßmöller.

Fachtagung: Migration, Familie und Mehrsprachigkeit im Blickfeld der Lese- und Sprachförderung an KiTa, Grundschule, Bibliothek und als Aspekt Sozialer Arbeit

Am 07.10.2011 veranstalteten die Universität Vechta und der VNB, Verein Niedersächsischer Bildungsinitativen e.V., eine Fachtagung. Diese ist inhaltlich Bestandteil des VNB e. V. Projekts "QuIW - Qualifizierung-Integration-Weiterbildung".

"QuIW" ist ein Transferprojekt, das vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wird. Durchgeführt wird es vom VNB, Geschäftsstelle NordWest; wissenschaftlich begleitet wird es vom ISBS der Universität Vechta (Institut für Soziale Arbeit, Bildungs- und Sportwissenschaften, Sektion Soziale Arbeit).

Ziel des Projektes ist es, im ländlichen Raum regionale Strukturen und Praxisunterstützung zur Förderung der Bildungskompetenzen von Familien mit Migrationserfahrung aufzubauen. Gefördert werden sollen u.a.: Literacy-Bildung, bilingualer Spracherwerb und interkulturelle Kommunikation.

"QuIW" soll die notwendige frühkindliche Lesekompetenz und die positive Bedeutung von Mehrsprachigkeit hervorheben. Mit Modellkoffern, einer grundsätzlichen Problemanalyse, einem Basisbuchbestand sowie begleitenden Publikationen wird eine Weiterqualifizierung von Integrationslotsen, BibliotheksmitarbeiterInnen und pädagogischen Fachkräften an KiTas und Grundschulen entwickelt, die mit Migranteneltern und deren Kindern arbeiten.

Die Fachtagung gab einen grundsätzlichen Einblick in die Problematik, stellte erste Ergebnisse und Praxisideen vor und bot in Workshops Gelegenheit zur Vertiefung und Diskussion. Eingeladen waren PraktikerInnen aus Elementar- und Primarpädagogik sowie der Bilbliotheksarbeit, Studierende der verschiedenen pädagogischen Bereiche und ErzieherInnen in der Ausbildung, WissenschaftlerInnen und Ehrenamtliche aus dem Praxisfeld interkultureller Arbeit.

3. Praxis-Dialog-Tag: "Und was nun?" Herausfordernde Aspekte in der Sozialen Arbeit

Am 29.09.2011 fand der nunmehr 3. Praxis-Dialog-Tag der Sektion Soziale Arbeit der Universität Vechta statt (Flyer). Der alle zwei Jahre stattfindende Fachtag bietet für Lehrende und Lernende der Universität sowie LeiterInnen und MitarbeiterInnen sozialer Einrichtungen die Gelegenheit zu fachlichem Austausch über aktuelle Themen.

In diesem Jahr stand der Fachtag unter dem Thema "'Und, was nun?' Herausfordernde Aspekte in der Sozialen Arbeit -Ausgewählte lokale, regionale und internationale Aspekte-".

Geprägt war der Tag zum einen durch Fachvorträge zu aktuellen Projekten der Sektion Soziale Arbeit sowie zu Projekten aus der Praxis und zum anderen durch eine Reihe vertiefender Workshops. Die Workshops wurden dabei in enger Verzahnung von Universität und Praxis vorbereitet und geleitet.